[Bilder] Und es begab sich zu jener Zeit… (von Mika Jipp)

…im Jahre des Herrn 2009. Mamarazzi belud ihre moderne stinkende Kutsche um wieder Seelen zu fangen im schönen Schlicktown. Über den modernen Sprechknochen kam Gottes Stimme, die sprach, dass Babyrazzi ebenfalls nach Schlicktown kommt.

Unter Sonne die in Strömen scheint, wurde die stinkende Kutsche kurzerhand in ein Boot verwandelt und ich ruderte nach Schlicktown. Eigentlich hätte ich ja gleich das neu gebaute Wikingerschiff nehmen können. Ach nee, das hat ja keinen Boden und starke junge Mannsbilder zum Rudern sind auch grad nicht parat.
In Schlicktown angekommen suchte ich mir einen Zeltplatz und baute mein Zelt in einer Senke direkt am Deich auf. Das war auch so ein Akt für sich, denn zweimal hat der Wind mein Zelt ergriffen. Jubel, Drachen fliegen mit einem Zelt. Oh weh, da kommt der Drache daselbst und sperrte die Zufahrt zum Deich höchstpersönlich ab. Stunden, drei Bier und acht Regengüssen später suchte ich mein Zelt und stellte fest, es steht noch und ist trotz Senke nicht abgesoffen. Was auch das ganze Wochenende so blieb.
Samstagmorgen stolperte Mamarazzi auf der Suche nach Lebenselixier (koffeinhaltiges Heißgetränk) über den Markt. Natürlich durch die strömende Sonne bedingt von Sonnen- ähm Regensegel zu Regensegel. An der Drachenschenke stehend erfüllte ein gar grausiges Geräusch meine Ohren. Eine Sirene ertönte…und kurz darauf brüllte der Drache daselbst "Sofort abbauen, wir haben Überflutungsgefahr! Der Markt muss sofort geräumt werden!". Ich blickte in ratlose Gesichter und überall stiegen Qualmwölkchen aus den Köpfen auf. War das jetzt ernst oder ein Scherz? Es stellte sich als Scherz heraus.
Pünktlich zur Markteröffnung hatte der Wettergott ein Einsehen und der Regen ließ nach und es wurde relativ gutes Wetter, aber die Besucherzahlen hielten sich in Grenzen.
Nachmittags gingen Babyrazzi und ich zu ihrer modisch stinkenden Kutsche, um zwei süße Spenden für Kunduz umzuladen. Diese süßen Spenden waren zwei megagroße Kuscheltiere. Mit je einem Kuschelmonster bewaffnet machten wir uns auf den Rückweg und liefen prompt einem harten Rocker in die Arme, der schmunzelte. "Es ist nicht so wie es aussieht!" meinte ich. Woraufhin der harte Rocker konterte "Doch, es ist so wie es aussieht, ich hatte früher auch so was." Auf dem Weg zu meiner stinkenden Kutsche mussten wir die Zollstation passieren. Höflich wurde der junge Recke gefragt, ob die beiden Kuschelmonster auch Wegzoll berappen müssten. Die Antwort lautete, nach einem kurzen Blick auf die Kuschelmonster "Ja, 24 der Taler pro Stück!". Lachend zogen wir von dannen…
…und kamen bei der Drachenschenke an. Ich spielte grad das "eiskalte Händchen", als Hilfe in Form von Lasterbalk auf mich zu kam und ich bat ihn, doch mal meine Hände zu wärmen. Natürlich ohne eine Ahnung zu haben, was gleich passieren würde. Er knöpfte seinen Umhang auf und legte meine Hände auf seine warmen Oberkörper. Da es ziemlich unbequem war, kniete sich Lasterbalk hin. Der Drachenschenkenwirt meinte: "Lass deine Hände da, wo sie sind und Lasterbalk steht langsam auf.". Dezente Röte überzog mein Gesicht, während ich panisch meine Hände zurücknahm. Es wurde gefrotzelt "Brauchst doch nicht Rot werden.", woraufhin flammende Röte bis hin zu den Ohren mein Gesicht überzog, während ich mich fast am Met verschluckt hätte.
Samstagabend fing ich ein paar Seelen beim Nachtkonzert und der "Weltmeister der Gesichtskirmes" gab sich wieder Mühe, seinem Namen alle Ehre zu machen. Ein Bote zu Fuß brachte Lasterbalk ein geschriebenes Wort. Woraufhin Urban zur Bühne zitiert wurde. Etwas schwankend erklomm Urban die Bühne und nahm die Glückwünsche zum Wiegenfest entgegen. Mitten im Publikum stand dann ein großer Olivenbaum, der wohl eine Gabe zum Wiegenfest sein sollte. Zu späterer Stunde an der Drachenschenke gaben sich "Saltatio Mortis" und die "Dudelzwerge" größte Mühe Krach zu machen. Natürlich waren auch sofort die Reggae-Trommler mit am Werk. Leicht angesäuselt stand ein Spielmann von "Rapalje" neben Babyrazzi und mir. Babyrazzi nahm eine große Prise vom männlichen Spielmannsduft, was den Spielmann etwas verwirrte. Nachdem mir vorgeschwärmt wurde, wie gut das riecht, konnte ich der Schnüffelprobe nicht wiederstehen. Mmh, erstaunlich, dass Spielmänner nachts um eins noch so gut riechen können. Ein kurzer Blick, Mamarazzi und Babyrazzi begaben sich gleichzeitig auf Schnüffelkurs. Der arme Spielmann war nun völlig verwirrt. Wir machten uns einen Spaß daraus und schnüffelten ab und an am Spielmann. Mit Met bewaffnet suchten wir uns eine Sitzmöglichkeit. Und hatten direkt den nächsten Spielmann zum ärgern gefunden. Sag mal, Lasterbalk du hast doch Feuer oder? Ja, aber nicht zum Rauchkraut anmachen. Oh, schade.
Seltsame Klänge erreichten uns Ohren. Verwirrt sahen wir uns an, sind das Weihnachtslieder? Nein, nicht wirklich. Wir trauten unseren Ohren nicht und irgendwann erkannten wir unter den verschiedenen Lieder "Schneeflöcken, Weißröckchen, wann kommst du geschneit…". Es hat nicht viel gefehlt und wir wären vor Lachen beinah von der Bank gefallen. Wer bitte spielt im Juli Weihnachtslieder? Die "Dudelzwerge", denn von "Saltatio Mortis" war einzig und allein noch "Jean, der Tambour" an der Drachenschenke. Aber er hatte eine Schülerin und versuchte verzweifelt ihr ein paar Schläge auf den Trommeln beizubringen.
Nach dem letzten spendierten Met machten Babyrazzi und ich uns auf zu unseren Schlafplätzen und ein großer Schatten verfolgte uns. Der Drache daselbst…oh nein…gut er ist abgebogen.
Sonntagmorgen hatte ich eine unangenehme Begegnung in meinem Zelt. Nein, ich habe niemand abgeschleppt, eine Nacktschnecke war zu Besuch. Schließlich stolperten wir gen Dixieland und gleichzeitig Carlos in die Arme. Ihr wollte "Blödchen"? Klar, gerne wir kommen nachher mal vorbei. Gut, das Frühstück ist gerettet und Lebenselixier gibt es dort auch.
Zurück am Zelt und ein Blick zum Himmel später beschlossen wir, dass Zelt abzubauen und die moderne stinkende Kutsche auf festem Untergrund zu parken. Mit leichten Schwierigkeiten war das dann auch geschafft und solche Ideen ohne Lebenselixier und mit Pelztierchen auf der Zunge. Der letzte Met muss schlecht gewesen sein. Wie immer…
Ab zu Carlos und lecker frühstücken und endlich Lebenselixier trinken…jubel wir werden wach und die Pelztierchen verschwinden auch langsam. Oh, schau mal der Spielmann von gestern. Komm, wir gehen schnüffeln. Gesagt, getan. Wir wurden erblickt und der Spielmann konnte sich das Grinsen kaum verkneifen. Beim Auftritt von "Rapalje" standen wir im strömenden Regen groupiemässig in der ersten Reihe und mimten Schnüffeln nach. Der Spielmann kippte vor Lachen fast von der Bühne.
Trotz des mäßigen Wetters ließen sich die wetterfesten Besucher und auch die Marktleute die gute Laune nicht nehmen. Bruder Rectus (im Untergewand bekleidet) tanzte mit Glöckchen-Steffi tapfer im strömenden Regen zu "Rapalje". Ich war sehr dankbar für die Idee, die Kutsche auf festen Untergrund zu parken. Ein paar Schnappschüsse von den "Dudelzwergen" zu machen erwies sich als schwierig. Denn ein Dudelzwerg möchte scheinbar auch beim Gesichtskirmes-Wettbewerb mitzumachen. Das hat er nun davon, nun gibt es ein Gesichtskirmes-Foto von ihm auf dem Zeitreisealbum.

Das Fazit des Wochenende: Wir können Spielmännern nicht in die Augen blicken, aber riechen können wir sie.
P.S. Für Lachtränen, -falten und -krämpfe übernehme ich keinerlei Verantwortung :)

Eure Mika - Juli 2009

zurück


[Home] [Mittelalter] [Fantasy] [Konzerte] [Berichte] [Impressum]

© 1996 - 2017 Herb Jung
aktualisiert: 22.07.2009