[Bilder] 07. + 09. - 10.06.2007 Mittelalterlich Fantasie Spectaculum im Drei Länder Garten in Weil am Rhein

Und täglich schwingt Thor seinen Hammer zu mittelalterlichen Leibesertüchtigungen und Wettstreiten
Zu "Happy Kadaver" lockte der Hillersche Markt ganz im Süd-Westen der Republik, also schon fast ein Pflichttermin für Eidgenossen, Schwaben, Badner und Franzosen. Schon im Vorfeld wurde ich gewarnt, wie unnachgiebig die Sonne auf dieses Gelände scheinen kann, doch ich ahnte nicht, wie wohlgesinnt uns die Wettergötter waren. Gemäss meinen bisherigen Erfahrungen (siehe Bericht Neunkirchen) schenke ich dem Wetterbericht keinen glauben mehr, denn der Wetterfrosch ist ja bekanntlich mit dem Baron von Münchhausen verwandt :)

Donnerstag, 07.06.2007 Trainingscamp und Cultus Ferox zu "Happy Kadaver"
So lässt sich doch ein christlicher Feiertag bestreiten: Sommer, Sonne, Meth und mittelalterliche Klänge der Gruppen Cultus Ferox und Societas Morbis wurde an diesem Tag geboten. Schliesslich heisst es ja Feier- und nicht Trauertag. Das Gelände, der Drei Länder Garten in Weil am Rhein, ist eigentlich ein grosser Park, der fast ausschliesslich aus Grünfläche besteht und mit einigen Weihern versehen ist. Einige wenige Bäume spenden Schatten auf diesem weitläufigen Areal, so dass man nicht zu verbrutzeln droht. Der Markt war bedingt durch die Wege dreigeteilt. Wenn man durch den Haupteingang das Gelände betrat befand sich auf der linken Seite der Bereich der Hehrlager und der Rittergruppen "Fictum" und "Nemanice". In der Mitte waren einige Marktstände, Tom's Drachenschenke, die grosse Bühne und einige leckere Fressstände. Die Gauklerbühne, Arnaud's Taverne, die Dryadenschenke und den Kinderbereich fand man auf der rechten Seite des Drei Länder Gartens. Praktisch durchdacht von Urban kann ich dazu nur sagen, ideal für Familien: Papa kann zu Tom aufs Dach gehen und derweil seinen Sohn beim betrachten des Schaukampfes beobachten, während Mama bequem an der Dryadenschenke sitzen kann und Töchterlein an der Gauklerbühne. Einer der beliebtesten Stände war wohl an diesem Tag der Eisstand, denn die Sonne brannte unnachgiebig auf die Köpfe der Besucher und Darsteller. Cultus Ferox indes bestellte sich sogar bei zwei Maiden einen Eimer kaltes Wasser, um diesen zur Abkühlung während des Auftritts zu nutzen. Apropos Cultus Ferox, da war doch ein neuer Spielmann in ihren Reihen zu erblicken. Mario die Zunge von Cornix Maledictum war mit den Spielleuten von Cultus Ferox angereist, um diese beim Nachtkonzert zu unterstützen, ob er dies in Zukunft öfter tun wird oder nicht lies die Band nicht verlauten. Bei diesen höllischen Temperaturen, die in Weil herrschten konnte man eigentlich nichts anderes machen, als an der Taverne im Schatten rum zu sitzen, denn zur Abkühlung fehlte leider der Badezuber. Zwischendurch schwang Thor kräftig seinen Hammer, aber kaum war der Regen weg prallte die Sonne wieder unnachgiebig auf uns nieder und wieder suchte man Platz im Schatten. Bei jenem Schatten suchen erfuhr ich von der bevorstehenden FINA (final international nail association) Nagelweltmeisterschaft, die am spielfreien Tag ausgetragen werden sollte. Spontan lud mich Gisbert Hiller in sein Trainingscamp ein, wo ich unter Anleitung einiger Profis auf diesem Gebiet in die Kunst des Nagelns (Anm. ein handelsüblicher Nagel wird mit möglichst wenigen Schlägen in einen Holzpflock gerammt) eingeführt wurde. Das Training neigte sich dem Ende zu und Cultus Ferox bestritten das Nachtkonzert. Eine wunderbare Liveband wie ich finde. Sie bezogen stark das Publikum mit ein und spielten ein einwandfreies, druckvolles und sehr schönes Nachtkonzert und beendeten somit den ersten Tag des Spectaculums in Weil am Rhein.

Freitag, 08.06.2007 Spielfrei, ein Geburtstagskind und die FINA (final inernational nail association) Nagelweltmeisterschaft
Was hinter diesem Namen und dem Wettbewerb steckt sei kurz erklärt. Also der Gisbert hat sich zusammen mit dem Bretzel Uwe was ausgedacht, klingt komisch, ist aber so. Man nehme einen spielfreien Tag auf dem Spectaculum, einige Holzpflöcke, möglichst viele Teilnehmer, noch mehr Nägel, einen Sponsor, einige Schiedsrichter, eine Taverne die offen hat, einen möglichst aussagekräftigen Namen und fertig ist sie: die FINA Nagelweltmeisterschaft 2007! Ungefähr 60 Teilnehmer fanden sich pünktlich um 18:30 am Sportplatz ein und dopten sich erst einmal an der Taverne, denn bei dieser Weltmeisterschaft war das dopen quasi Bestandteil der Wettbewerbs. Jeder der seinen Nagel mit einem Hammerschlag versenkte musste ein Bullenauge trinken, was einigen Sportlern sichtlich zusetzte. Sponsor dieses Wettstreits war kein geringerer als Bretzel-Uwe, der für die Teilnehmer Bretzeln gebacken hatte und die Nägel sponserte. Preise gab es natürlich auch zu gewinnen, betrug das Startgeld doch immerhin 10 Euro. Der erste Preis war ein Wanderpokal, eine Stange Geld und wahrscheinlich ein Vollrausch. Die Zweit- und Drittplatzierten bekamen auch Kohle und man höre und staune, die letzten vier auch! Nachdem Gisbert Hiller das Reglement verlesen hatte und alle einem Holzpflock zugeteilt waren ging es los. In der ersten Runde flog an jeden Pflock nur einer raus, das heisst insgesamt vier. Leider schien unser geliebter Marktvogt an diesem Tag nicht so treffsicher zu sein, so dass er bereits nach der ersten Runde rausflog. Naja, so konnte er das Geschehen besser überwachen. Ich persönlich habe das Nageln nicht als Sport, sondern als Glückspiel gesehen, wie soll ich kurzsichtiges Mädchen, welches die Axt kaum halten kann denn sonst mit der Schneide Nägel versenken, wenn nicht mit Glück? Bruder Rectus hatte es da besser, er konnte auf himmlischen Beistand hoffen und segnete seine Nägel jeweils vor jeder Runde. Da auch ich an diesem Tag kein Glück zu haben schien, war für mich die WM schon nach der zweiten Runde vorbei. Aber nun konnte ich endlich das tun, worauf ich mich schon den ganzen Tag gefreut hatte, nämlich endlich mit unserem Geburtstagskind Herb Jung auf sein Wiegenfest anzustossen! An dieser Stelle noch mal alles Gute, bleib so wie du bist und mögen die Götter dir immer wohlgesonnen sein. Die verbliebenen nagelten was das Zeug hielt, denn schliesslich wollte jeder FINA Nagelweltmeister werden. Spät des Nächtens war es dann endlich soweit, der erste FINA Nagelweltmeister heisst Lütti und arbeitet bei Arnaud an der Taverne. Herzlichen Glückwunsch Lütti und pass auf den Wanderpokal auf.

Samstag, 09.06.2007 eine saltansche Sensation jagt die nächste und der Brüllwürfel steht zum Verkauf
Morgens halb Zehn in Weil und Thor schwingt seinen Hammer als gäbe es kein Morgen. Doch pünktlich zur Markteröffnung zeigte sich das Wetter wieder von seiner freundlichen Seite. Ein Sprichwort besagt, dass dies geschieht wenn Engel auf Reisen gehen und waren doch Saltatio Mortis mit ihrem Mik el Angelo angereist. Angeblich ernähren sich Engel ja nur von Licht, aber warum war der Engel dann so oft an der Taverne und beim Fleischbräter zu sehen? Irgendetwas konnte da nicht stimmen, denn offensichtlich verdient man als Engel so wenig Geld, dass Herr Angelo inzwischen als Meister Propper Double für den Werbeblock von Saltatio Mortis arbeiten muss. Heute unterhielten uns in musikalische Hinsicht Saltatio Mortis und Societas Morbis. Eins muss mal gesagt sein, das Durchschnittsalter bei den Damen und Herren der aufstrebenden Band Societas Morbis beträgt gerade mal 18 Jahre. Trotz ihres jugendlichen Alters überraschen sie in jeglicher Hinsicht auf positive Art und Weise. Sie machen einwandfreie und sehr gute Musik, feiern mindestens genau so eifrig wie die Grossen, spielen unermüdlich für das Volk, auf welches sie jedes Mal sehr eingehen und sehen dabei noch verdammt gut aus. Macht weiter so, wir möchten noch viel von euch hören. Zur Nachmittagsstunde folgte der erste Auftritt von Saltatio Mortis, der gleich mit einer kleinen Stunteinlage untermalt wurde. Auf der linken Seite der Bühne hatte sich bedingt durch Thors morgendlichen Zorn eine grosse Matschlache gebildet. Lasterbalk der Lästerliche und sein Schüler des höheren Schweinskrams Cordoban der Verspielte hatten nichts besseres zu tun, als von der Bühne herunter in selbige Lache zu springen. Was tut man nicht alles für die Presse und ein bisschen Publicity. Jetzt mussten die beiden mit Matsch besudelten Spielmänner immerhin keine Angst mehr vor der Sonne haben, Dreck schützt ja bekanntlich am besten vor Sonnenbrand. Das Publikum an diesem Tag bestand aus zwei Fraktionen: Badner und massenhaft Schweizer. Und wie die Schweizer feierten, sie erfreuten sich gar sehr an der Musik und vor allem an der Matschlache. Man könnte jetzt sagen, dass jene feierwütigen Schweizer betrunken waren oder sich aber in der Location geirrt hatten und gar nicht aufs Spectaculum, sondern auf die Schönheitsfarm zu Schlammpackung wollten. Jedenfalls habe ich noch nie so viele gut gelaunte Schweizer auf einem Haufen in Deutschland gesehen. Auch heute brannte die Sonne unnachgiebig wieder auf das Gelände, so dass die Dryadenschenke wegen ihres grossen Sonnensegels ein sehr beliebter Treffpunkt war. Nach kurzer Verweildauer und dem einen oder anderen erfrischendem Getränk bot Saltatio Mortis gleich die nächste Sensation. Saltatio Mortis spielten ein Lied, welches sie noch nie alle gemeinsam geprobt haben: den "choix des dames" (Damenwahl). Ein französisches Stück gesungen von keinem geringerem als Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein. Dafür, dass sie es ohne grosse Vorbereitung spielten, war es sehr gut und des Mümmels Stimme passt wie die Faust aufs Auge zu diesem Stück. Chapeau! Kaum war diese Sensation vorbei, kam schon die nächste: Alea der Bescheidene, seines Zeichen Sänger bei Samo wurde von Schergenlager gekidnappt und gut sichtbar für das Volk in einen Käfig gesperrt. Dort musste er natürlich nicht unnütz herumstehen, nein, er brachte dem Schergenlager Geld ein. Den gegen einen Taler durfte man dem Spielmann an die Afterballen fassen und für zwei sogar den Spielmann küssen. Die Auslösung des Brüllwürfels war aber so teuer, dass er einige Stunden in dem Käfig verharren musste, ehe er befreit wurde. Erst zum Traumspekatakel wurde er aus seinem Käfig befreit, damit er auch beim Nachtkonzert mitspielen konnte, denn ohne ihn geht es ja nicht. Und was für ein Konzert das war. Die Schweizer und Badner waren noch immer feierwütig und Magister Flux untermalte eindrucksvoll mit Pyro die musikalische Darbietung der Bums- und Blaskappelle (Anm. dieser Ausdruck stammt nicht von mir). Alles in allem wieder ein sehr gutes Nachtkonzert. Salatio Mortis ist eine Band, die es schafft auch die steifsten Gäste zum hüpfen zu bringen und, was ich ganz wichtig finde, auch den Talk nicht zu kurz kommen lässt, denn das ist es, was den Charme eines Mittelalterkonzertes ausmacht.

Sonntag, 10.06.2007 Die fetteste Mittelalterband Deutschlands und ihr freundlicher Umgang mit Kollegen
Der letzte Tag des Spectaculums begann pünktlich um 11 Uhr mit der Markteröffnung, die wie immer vom Markvogt Eduard von Sonnenberg moderiert wurde. Nach drei bzw. vier Tagen feiern sahen einige Gestalten doch schon etwas lädiert aus, was aber nicht allein an den Köstlichkeiten der Schenken und Tavernen lag, auch die unnachgiebige Hitze hatte ihren Teil zur Ermüdung der Geister beigetragen. Zur musikalischen Unterhaltung des leicht ermatteten Volkes waren Schelmish angereist. Man sagt, dass Spielleute untereinander sich sehr gut verstehen, sind sie doch schliesslich alles Kollegen. Wie gut sie sich tatsächlich verstehen konnte man beim ersten Auftritt von Schelmish hautnah miterleben. Lasterbalk der Lästerliche wurde anscheinend von seinen Kollegen in Weil vergessen und da der Spielmann bekanntlich nur im Rudel überleben kann und alleine völlig unselbständig ist, blieb er einfach an Ort und Stelle. Schelmish nutzte die Gelegenheit um den Trommel einmal gehörig auf die Schippe zu nehmen. Er wurde sogar, sehr zur Belustigung der Bevölkerung, auf die Bühne zum Vorklatschen geholt. Leider fand der Lästerliche den passenden Rhythmus nicht auf Anhieb. Peinlich, aber na ja, es war ja noch sehr früh am Morgen, nicht wahr?! Schelmish haben eben ihren eigenen Charme das Publikum zu begeistern und man darf nicht allzu zimperlich sein. Das ist es aber auch was Schelmish ausmacht, sie haben ihren ganz eigenen Humor und ihre ganz eigene spezielle Art mit dem Publikum umzugehen. Leider war tagsüber aufgrund der Hitze nicht allzu viel los bei der grossen Bühne, so zog es mich dann auch eher zur Gauklerbühne, denn auch dort wurde man aufs vortrefflichste unterhalten und zwar von Gaukelei Links zwo drei, Pill und Pankratz, Bagatelli und Dr. Dr. Bombastus Theophrastus und Bruder Rectus. Die Gauklertruppe beim Spectaculum ist allgemein gesagt extrem gut und einige ganz besondere Exemplare mit Kultstatus sind dort vertreten. Ich kann jedem nur empfehlen sich mal einen Tag an der Gauklerbühne aufzuhalten, statt immer nur bei der Musikbühne, denn auch die Lachmuskeln wollen trainiert sein, nicht nur das Tanzbein. Der Tag neigte sich dem Ende zu und Schelmish spielten das Abendkonzert. Die verbliebenen Schweizer, es waren fast so viele wie am Vortag, waren wieder in gewohnt guter Laune und hüpften und feierten zu schelmischen Klängen. Schelmish spielten ein sehr stimmiges und gutes Nachtkonzert. Man muss sagen, die Band hat sich extrem gesteigert in der neuen Besetzung in den letzten Monaten, das Schlagwerk klang nie eindrucksvoller und facettenreicher. Viel zu schnell war dieses Konzert vorbei und pünktlich zu den letzten Klängen kam der Wolkenbruch und Thor erklärte das Spectaculum für beendet.

Fazit, Lobes- und Dankshymnen
Es war ein wunderschönes Spectaculum im Drei Länder Garten in Weil am Rhein. Das Wetter war wohl nicht ganz so wie wir es uns gewünscht hatten, aber das kann man sich halt nicht aussuchen oder hat jemand etwa nicht seinen ersten Schluck den Götter geopfert?! Das Areal ist mit Sicherheit gut geeignet für diese Art von Veranstaltungen, doch sollte über mehr Sonnensegel (mein Sonnenbrand lässt grüssen) nachgedacht werden. Wie immer geht mein Dankeschön an Gisbert Hiller und sein Team, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben. Danke an die Geschäftsleitung der FINA Nagelweltmeisterschaft (Bretzel Uwe und Gisbert), ich hoffe auf Wiederholung dieses Events. Ein grosses Lob an alle teilnehmenden Künstler, ihr habt uns wieder aufs vortrefflichste unterhalten. Einen besonderen Gruss an die feierwütigen Schweizer, kommt wieder mal zum Spectaculum.

Es grüsst und verneigt sich

Marion "Rätia" Thöny

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aktualisiert: 15.06.2007