[Bilder] 09.- 11.09.2011 Festival Mediaval IV in Selb

Zum nun mehr vierten Mal fand das Festival Mediaval in der fränkischen Stadt Selb statt, die, wie ich feststellen musste, trotz ihrer überschaubaren Einwohnerzahl von etwa 15.800 Personen beträchtliches Verlaufungs-Potential hat.

Entstanden aus einer Met-Idee beim diesjährigen Kaiser-Otto-Fest in Magdeburg, an der Jeany nicht ganz unbeteiligt war, plante ich innerhalb von 5 Tagen meine Selb-Reise. Ich musste eine gute Portion Glück gehabt haben, als ich am Montag eine Mitfahrgelegenheit direkt nach Selb und wieder zurück nach Magdeburg fand. So geschah es, dass ich Florian, Claas, Carsten und Susi kennenlernte und die wohl 4 angenehmsten Stunden in einem fremden Auto verbrachte. Besser hätte es nicht laufen können!

Am Abend bewies sich wieder einmal: Ich habe null Orientierungssinn und wenn doch, dann kann ich nicht mit ihm umgehen ;) Gott sei Dank gelang ich ohne große Umwege zum Bahnhof Stadt, um dort Jeany abzuholen. Nach einem schmackhaften Mal in einer heimischen Gaststätte machten wir uns los. "Ich brauch 'ne Pause", "Scheiß Berg!" und "Ich weiß, dass ich hier schon mal war" waren Sätze, die während der gefühlten Stunde (für 1,4 Kilometer Fußweg wohl gemerkt!) oft fielen. In guter Gesellschaft läuft es sich dennoch flux und so passierten wir gegen 22:30 Uhr das Gelände. Der Abend endete nach einem Besuch der Wandelbar irgendwann nach Mitternacht im Zelt.

Ein paar Stunden später klingelte der Wecker und lies Arbeit verlauten. Zumindest für die Nase-Leute und alle anderen Markthändler. Erste Unstimmigkeiten gab es, als es auf einmal hieß der Markt mache um 13 Uhr statt wie geplant um 16 Uhr auf...

Das musikalische Programm am Freitag startete um 17:00 Uhr mit dem Auftritt der belgischen Truppe IlianA. Absolutes Neuland für mich.

Hanan El Shemouty stand als nächstes auf dem Plan. Laut Programmheft eine von wenigen Frauen, die eine 84-saitige Zither perfekt spielen kann. Für jeden passionierten Musiker vermutlich ein musikalisches Highlight, ich jedoch hatte den Eindruck, sie ging unter all den anderen Musikern auf der Bühne ein wenig unter. Lediglich der Saxophonist, der den Eindruck erweckte "er missbrauche sein Musikinstrument als orientalische Schalmei - aber gut!" (Quelle: Anonym), gewann an Aufmerksamkeit. Definitiv einer der ruhigeren Musikacts des ersten Festivaltages.

Eine der Bands auf die ich mich schon die ganze Zeit gefreut habe beginnt ihre Show um 19:00 Uhr auf der Schlossbühne - FAUN. Mit dabei war u.a. Beatritsche, die mit ihren magischen Kugeln die musikalischen Klänge zu einem Blickfeuerwerk machte. Neben einigen Stücken vom neuen Album "EDEN" durften typische Faun-Klassiker wie "Rosmarin" oder auch "Tinta", von dem Sänger Oliver behauptet, dass dabei "schon manches Kind gezeugt worden sei", nicht fehlen. Als Zugabe gab's noch "Satyros" und "Wind und Geige" zu hören.

Noch berauscht vom Faun-Auftritt, machte ich mich mit Reeni und Andi auf zu The Moon & The Nightspirit. Ich muss sagen, dass mir nicht zu viel versprochen wurde. Die Aussage, dass sie sich "auf eine mystische Reise in einen fernen Winkel unseres Universums" begeben, hätte man nicht treffender ausdrücken können. Die zierliche Gestalt von Agnes Toth, ihre langen Haare, ihre blasse Haut und diese engelsgleiche Stimme treiben einen, wie Herb treffend ausdrückte, in andere Sphären. Wenn ihr die Gelegenheit habt diese Band nochmal live zu sehen, so schließt die Augen, lasst euch von der Musik packen und in andere Welten treiben. Eines meiner absoluten Highlights auf diesem Festival!

Headliner des ersten Festivaltages waren Elfenthal, an die sicher jeder hohe Erwartungen hatte - im Repertoire die aktuelle Platte "An Ancient Story". Ein Song, an den ich mich besonders gut erinnern kann, ist "Fairy stolen smile". Der Auftritt dieser musikalischen Gruppe tanzt definitiv aus der Reihe. Mit einem Bombast an Effekten und einer wirkungsvollen Lichtshow kam man sich fast wie in einem Film vor. Ich saß in der Wandelbar und lies diesen Anblick auf mich wirken. Schlussendlich kam ich zu dem Fazit: An sich eine sehr eindrucksvolle Show mit starken Stimmen und variierender Musik, meines Erachtens nach jedoch weniger festivaltauglich. Elfenthal allein wären sicher dazu im Stande ein ganzes Abendprogramm zu füllen und wären meiner Meinung nach auf einer imposanteren Bühne, beispielsweise in einem alten Amphitheater, besser zur Geltung gekommen.

"We will start to tell you a story, a story that is true." Mit diesen Worten betraten Sic und Jenny am nächsten Tag die Bühne, als es um 13:00 Uhr hieß: Bahn frei für das Poesie-Akustik-Projekt von Omnia. Eingebrannt hat sich bei mir ihre Interpretation von Trent Reznors "Hurt". Nicht nur, weil sie es gekonnt auf ihre Art und Weise gespielt haben, wohl auch gerade deshalb, weil sich dieser Titel grundlegend von üblichen Festivalstücken unterscheidet. Trotzdem gab's auch genügend Spielraum für unbeschwerte, amüsante Stücke wie "Fuck Her Gently" von Tenacious D, das gekonnt jeder auf dem Platz mitsingen konnte.

Wenn die Ansage "Habt ihr Bock auf Rock und Märchen?" lautet, ist klar wer die heiligen Bretter stürmt - Des Königs Halunken. Räuber, Feen, Gesöffe, … das Spielmannsleben bringt Glück, aber auch so manches "Problem" mit sich, wollen sie uns mit ihren Stücken lehren.

Humppa mit Folk-Einflüssen wurde uns um 16:00 Uhr auf der Burgbühne dargeboten, als endlich die Stunde für die Russen um Troll Bends Fir schlug. Wenn ich darüber entscheiden müsste welche Band am meisten Spaß gemacht hat, dann definitiv diese! Auch wenn ich der russischen Sprache nicht erhaben bin, so hat schlicht und ergreifend die Musik und Spielfreude der Truppe angesteckt, was u.a. in diversen Polonaisen und Pogos gipfelte. Ein Song, veröffentlicht auf der "Oktoberfest EP" steckte ganz besonders an: Catch a salmon. Einerseits, weil er der einzige ist den ich mitgrölen konnte, andererseits war er einfach wahnsinnig ansteckend!

Der Auftritt auf den ich mich am meisten gefreut habe, war für mich mit Abstand der beste des ganzen Festivals. Omnia haben es geschafft mir während ihres 75-minütigen Auftritts ununterbrochen Gänsehaut von Kopf bis Fuß zu verschaffen. Dass ich in diesem Ausmaße von einer Gruppe angetan bin kommt eher selten vor. Spuren hinterlassen hat Sics Ansage vor "Toys in the attic": "Imagine me walking through your local supermarket, looking for yogurt, the ecological kind... I get a lot of funny looks from people... I get looks like O_O or perhaps this one O.ô and I think a lot of you get this looks as well, because you see... if you're different people think you're crazy... they say you've got bats in your belfry... germans would say: 'Du hast eine Vogel'... you've got toys in the attic." Von diesem Song hatte ich noch Tage nach dem Festival einen Ohrwurm, selbst jetzt, in diesem Moment. Unter anderem gab es dann noch "I don't speak human" und "Free", "a song about not joining with all the other monkeys" vom neuen Album zu hören.

Während dem Auftritt von Versengold war ich zu sehr damit beschäftigt auf die wertvollen Käse-Spätzle-Schalen von Herb und mir aufzupassen und mich ganz nebenbei von Reeni vor einem Trunkenbold retten zu lassen, der augenscheinlich Gefallen daran fand mich blöd anzuglotzen und in meine Richtung zu wanken ;)

Alan Stivell - DER Name im Line-Up. Schade, dass sein Auftritt das Schlusslicht des zweiten Tages bildete. Die sehr ruhigen Stücke ließen den Abend zwar wunderbar ausklingen, jedoch nahmen es auch viele zum Anlass sich nach und nach von der Bühne zurückzuziehen. Nach sehr aktiven, lauten Bands wie Troll Bends Fir, die zu viel körperlicher Aktivität einluden, hätte ich mir den Auftritt von Alan Stivell etwas früher gewünscht.

Nach einer nahezu schlaflosen Nacht begann der Sonntag um 8 Uhr in der Früh. Nach einigem Hin- und Hergewälze und dem gescheiterten Versuch nochmal eine Stunde zu nickern stand auch ich auf, schnell die Augenringe eliminiert, ein Stück Brie mit Brötchen zum Frühstück und los ging's!

Spätestens beim Auftritt von Wolkenstayn fragte ich mich, warum ich nicht doch noch weiter versucht habe zu schlafen... der Satz "Leute, eine Drehleier kann man auch stimmen" sagt genug darüber aus.

Ich hatte den Eindruck, dass der Sonntag nur so vor sich hinplätscherte. Jeder zeigte einen gewissen Grad an Festivalmüdigkeit und die Wetterschwankungen machten dem ein oder anderen ebenfalls zu schaffen. Ich nutzte die Zeit überwiegend damit mich an Nases Schenke aufzuhalten oder nach ein paar schönen Mitbringseln Ausschaut zu halten. Hin und wieder trieb es mich dann doch noch vor die Bühne. So zum Bleistift bei der Verleihung des Goldenen Zwergs, der in diesem Jahr an die Power-Metaller von Winterstorm ging... die kleine Peinlichkeit mit der falschen Jahreszahl wurde zwinkernd unter den Tisch fallen gelassen.

Ein Großteil der Besucher fragte sich vermutlich schon bei der Bekanntgabe von Krypteria im Internet wie sie in das mittelalterliche Ensemble passen... die Antwort ist: Gar nicht. Frontfrau Ji-In Cho hat stimmlich stark nachgelassen, null Klangvolumen, die Töne waren gepresst... studiotauglich vielleicht, live im Moment nicht empfehlenswert.

Poeta Magica & Gäste - Das Edda Projekt, der einzige Grund der mich den ganzen Tag auf den Beinen hielt. Leider Gottes habe ich von den ersten Minuten nahezu nichts mitbekommen, wollten doch Zelte sturmfest gemacht werden. Als ich endlich wieder auf dem Gelände war, begann innerhalb von weniger als 15 Minuten ein Wolkenbruch, inklusive Gewitter vom feinsten, sodass der Auftritt abgesagt werden musste.

Am liebsten hätte ich mich grün und blau geärgert, wäre ich nicht damit beschäftigt gewesen meine Füße vorm Ertrinken zu retten - vergebens. Irgendwann hatten Sarah und ich die Nase voll. Es wollte einfach nicht aufhören mit regnen! Die Glieder wurden immer müder und schwerer... Irgendwann schlüpfte ich in meine mit Regen und Matsch vollgesogenen Stiefel und ging mit Micha und Sarah zum Camping-Platz. Müde und total KO fielen wir alle in unsere Betten. Erstaunlicherweise schlief ich trotz Sturm und Regen bis zum Morgen satte 8 Stunden am Stück durch!

Bleiben letztlich noch ein paar allgemeine Dinge anzumerken... dafür, dass im Internet und Programmheft betont wurde, dass wir Gäste in einem Park sind und die Veranstalter das auch weiterhin bleiben wollen, gab es beträchtlich wenig Mülleimer (abgesehen von den festen Installationen im Park). Der Eindruck, dass es entweder Tage gab, an denen sehr ruhige Musik gespielt wurde oder sehr laute bestätigten mir ebenfalls viele Gäste. Sicherlich könnte man hier in Erwägung ziehen, das Programm mehr zu variieren. Weiterhin ist, soweit es mir zu Ohren gekommen ist, seit dem ersten Festival Mediaval die Schloss- und Burgbühne im Programmheft vertauscht, was unter anderem dazu führte, dass bei der Vergabe des Goldenen Zwergs eine Band nicht erschien, weil sie an der falschen Bühne wartete. Vielleicht wäre es spätestens jetzt an der Zeit das zu ändern?

Die kulinarische Auswahl war topp, es war sicher für jeden Geschmack etwas dabei. Ich selbst hätte mich gerne an jedem Stand durchprobiert. Bemerkenswert war die Security - für mich das erste Festival, bei dem ich durchweg von den Sicherheitsleuten überzeugt war. Sehr freundlich, hilfsbereit und doch bestimmt wenn etwas nicht in geregelten Bahnen verlief. So etwas wünscht man sich doch öfter! Ein besonderes Lob möchte ich an die Jungs und Mädels richten, die sich um die stillen Örtchen gekümmert haben und damit dafür sorgten, dass ich ohne Blasenentzündung nach Hause reisen durfte! :)

Manchmal zahlt sich Spontanität einfach aus, in meinem Fall mit vielen lieben Menschen die ich kennenlernen durfte, leckeren Verköstigungen (Gruß an den Chef vom Käsespätzle-Stand!), neue musikalische Eindrücke, und der Erfahrung, dass es noch freundliche Leute gibt die einen unbekannter Weise in ihrem Auto mitnehmen, weil man planlos im Wald herumsteht und sich verlaufen hat. Vielen Dank an euch alle!

//Kuddl - 16. September 2011

Nachtrag von Herb:

da die gute Kuddl sich nicht zerteilen konnte und ich sowieso gerade dabei war, den Auftritt der Gruppe Ally the Fiddle mit meiner Camera festzuhalten, haben wir uns darauf geeinigt, daß ich ein paar Zeilen dazu schreibe. Im Publikum neben mir warteten schon einige Szenegrößen gespannt auf den Auftritt von Ally und ihrer Band: Fast die komplette Truppe von Omnia, Niel und Nicky von Faun, Su von Haggard und Philipp, der Manager von QNTAL.
Vom ersten Stück an ging es ab wie die vielzitierte Katze von Schmitz, wobei mein Persönliches Highlight des Auftrittes immer und immer wieder das Stück "Glenglass" ist und bleibt. Der "nicht ganz so schottische" (Zitat Ally) Tanzauftritt von Ginger Synne unterstrich das Ganze auch optisch. Einen echten Leckerbissen hatte Ally sich für den Schluss aufgehoben. Gesanglich unterstützt von Sashia Haiberg liess Ally ihre Fiddle Fiddle sein, griff beim letzten Stück zum Mikrofon und liess ihre eigene Stimme erklingen...
Um mich herum Begeisterungsstürme und viel Gänsehaut...
Danke Ally, ganz ganz große Klasse!!!

Herb - 18. September 2011

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aktualisiert: 18.09.2011