[Bilder] 10. - 11. März 2007 Mittelalterlich Fantasy Hallen Festival in der Messe Niederrhein in Rheinberg…

…oder die Mysterien eines Spectaculums exklusiv aufgedeckt….

Wieder lockte Gisbert Hiller zur eigentlich marktfreien Zeit mit einem Hallenfestival um die Zeit bis zu den Aussenmärkten zu überbrücken. Diesmal führte uns unsere Reise nach Rheinberg. Die Halle schien viel versprechend zu sein, zumal sie grösser ist als die Zentralhallen in Hamm und Petrus uns wohlgesinnt schien.

Samstag, 10. März 2007
Leider etwas verspätet und mit einigen Turbulenzen verbunden erreichte ich endlich mit meiner charmant weiblichen Reisegruppe die Messe Niederrhein in Rheinberg. Rein äusserlich betrachtet war das schon sehr gut organisiert und schön. Ein riesiger Parkplatz für Autos..ähm.. Kutschen meine ich natürlich, ein heller und freundlicher Aussenbereich und die ganze Halle etwas abseits der Stadt. Da meine Nerven irgendwo auf der Hinfahrt zwischen dem gerade so erträglichen Frühstück und dem Verfahren verloren gegangen sind, brauchte ich dringend etwas um diese wieder zu finden. Das Nervenallheilmittel fand ich dann schnell an Toms Drachenschenke in Form von Sekt. Stösschen! Nachdem ich meine Nerven am Boden meines Bechers wieder gefunden habe, fand sich auch die Zeit um alles in Ruhe anzusehen und die anwesenden bekannten Gesichter zu begrüssen. Die üblichen Verdächtigen liessen sich auch diese Veranstaltung selbstverständlich nicht entgehen. Die Halle teilte sich in drei Bereiche auf: Foyer, Markthalle und Musikhalle. Das Foyer bildete den Eingang zur Musik- und Markthalle. Einige wenige, aber wichtige Stände wie der Mokka-Stand oder die Merchstände waren dort unter anderem zu finden. Die Musikhalle war sehr hübsch mit einigen Tischen auf denen Kerzen brannten dekoriert. Eine romantisch düstere Atmosphäre erfüllte die Halle, die allerdings durch den Karoteppich erheblich gedämpft wurde. Auch in der Markthalle herrschte düstere Romantik, allerdings gepaart mit einer unglaublichen Kälte. Man hätte die Lokalität auch gut für eine Friedhofswanderung bei Mitternacht nutzen können. Einige der Künstler hätten sicher auch ihren Teil dazu beitragen können: Ich denke da vor allem an Pill & Pankratz und den hässlichen Hans. Auch diesmal waren etliche Gaukler, Spielleute und Künstler angereist um das nach Unterhaltung lechzende Volk zu erfreuen oder sie von der klirrenden Kälte abzulenken. Handgeklapper, Jubel, Tanz, Badezuber und heisser Meth sind da ja bekanntlich die besten Mittel um dem Kältetod zu verhindern. Zur Unterhaltung und Leibesertüchtigung des schlotternden Volkes waren angereist: der Bettler der hässliche Hans, Dr. Dr. Bombastus Theophrastus und Bruder Rectus, die Fechtkampfgruppen Fictum und Nemanice, der Gaukler Alf, die Gauklerduos Confusi, Pill & Pankratz und Forzarello, das Puppentheater Kiepenkasper, der Kraftjongleur Bagatelli, der Marktvogt Eduard von Sonnenberg, die Musikgruppen Faun, Rayneke, Schelmish, die Streuner und Saltatio Mortis. Also sehr viel Programm und doch so wenig Zeit. Saltatio Mortis spielten im übrigen am Samstag am Tag nie auf der grossen Bühne in der Musikhalle, sondern irgendwo auf dem Markt, was ich gar nicht so schlecht fand. Da mussten sich die grossen, berühmten, wohlriechenden, immer und überall spielfähigen Musiker mal herablassen und zurück zu den Wurzeln kehren. Back to the Roots hatte schon was für sich, aber da sich leider immer innerhalb von kurzer Zeit eine riesige Traube um Samo gebildet hatte, war mir das dann doch zu ungemütlich. An diesem Samstag hatte ich auch anderes zu tun, nämlich das genaue Flirtverhalten der Anwesenden zu studieren. Soviel steht fest, die einzig wahren Orte fürs flirten sind Schenke und Badezuber. Da ich noch einige Zuber-Verabredungen offen hatte und mir sehr kalt war beschloss ich, mich für euch liebe Leserinnen und Leser zu opfern, in den Zuber zu gehen und so am Ort des Geschehens das Balzritual diverser Gattungen zu studieren. Selbstverständlich hat mir das keine Freude gemacht ;-)
Die Szene eines Flirts könnte meinen Studien nach in etwa so beginnen: Jungfer und Recke treffen sich an der Schenke
Recke: Ist dir kalt? Du schlotterst so.
Jungfer: Ja, mich friert so sehr, dass ich jetzt heissen Alkohol trinken muss.
Recke: Darf ich dich einladen?
Der Recke bestellt der Jungfer 3 - 7 heisse Meth und zahlt diese selbstverständlich. Die Jungfer findet den Recken inzwischen unglaublich attraktiv und ihre Zunge beginnt sich zu lockern.
Recke: Ist dir nun wärmer? Und geht es dir gut?
Jungfer: Jawohl! *hicks* Ich habe nur leider entsetzliche Verspannungen am Rücken.
Recke: Dem kann ich Abhilfe schaffen. Da drüben steht das Badehaus von Stefan. Das heisse Wasser und eine Massage mit meinen zarten Händen werden dir ganz schnell Entspannung verschaffen. Im Zuber ist es auch viel gemütlicher als hier an der Schenke.
Noch ehe die Jungfer auf dieses Angebot reagieren kann, hat sie der Recke zum Badehaus geschleift und sie steht schon in der Umkleidekabine.
Recke: Beeil dich ein bisschen, meine Hände freuen sich schon auf dich! *zwinker*
Was sich nun im Zuber abspielt ist eine Mischung aus Massage und Balzritual des Recken. Was sich im weiteren Verlauf abspielt kann ich nicht sagen, da das Badewasser trüb ist und manche Dinge fern ab der Öffentlichkeit passieren.
Nach meinen Studien war es dann auch schon Zeit für die Abendkonzerte von Rayneke, Faun und Saltatio Mortis.
Rayneke fühlte sich schon sichtlich wohler in der grossen Musikhalle und verzückte das anwesende Publikum mit ihren Klängen. Nach diesem sehr gelungenen Auftritt war sicher niemandem mehr kalt. Denn bei diesen Rhythmen konnte nun wirklich keiner still stehen. Faun trat heute leider nur am Abend auf, da sie gerade auf Tour sind. Aber auch sie legten einen gelungenen und wunderschönen Auftritt hin, den ich nicht missen möchte. Schlag 23:00 Uhr betraten Saltatio Mortis die Bühne. Durch das Programm führte wie immer Lasterbalk der Lästerliche, der seinem Namen an diesem Abend alle Ehre gemacht hat, denn seine Zunge war, zum Leid seiner Kollegen um einiges schneller als sein Kopf. Das wiederum sehr zur Freude der Bevölkerung. Ein paar neue Kleinigkeiten wurden ins Programm eingebaut, so dass der Auftritt sehr kurzweilig und unterhaltsam war. Zum Abschluss verliess Samo die Bühne und schritt spielend durchs Publikum hinaus aus der Halle. Ein schöner Abschluss für einen wunderschönen und arschzapfenkalten Tag. Die Markthalle war zu diesem Zeitpunkt leider schon ausgestorben, einziger Lichtblick war die Drachenschenke, die sicher schon jeden von uns durch so manche Durststrecke geholfen hat. Rayneke und Samo machten noch ein kleines Tavernenspiel und so konnte man gemütlich bei einem Schlummertrunk den Abend ausklingen lassen….

Sonntag, 11. März 2007
Ein herrlich sonniger Sonntag locke einige Besucher nach Rheinberg. Es war herrlich schön warm und der Aussenbereich war beliebter als die Innenbereiche, denn warum rein gehen, wenn's draussen wärmer ist?! Leider wurde das Spectaculum nicht nach draussen verlegt und ich könnte wetten, dass es beim ersten Aussenspectaculum wieder wie aus Eimern schüttet. Nun gut, ich überwand mich und ging in die Halle um Frühstück zu suchen, was mir bei dieser riesigen Auswahl an Leckerein auch nicht sonderlich schwer fiel. Einige der anwesenden Gesichter waren deutlich gezeichnet von den Strapazen des Vorabends. So verwunderte es niemanden, dass nur schwer fröhlich ausgelassene Stimmung bei den diversen Gaukler und Musikerauftritten aufkam. Dafür aber, wurde das andere Mysterium eines Spectaculums zelebriert, nämlich das Gerüchtekochen! Es gibt da einige vor allem weibliche Exemplare, die diese Beschäftigung zu ihrer Berufung gemacht zu haben scheinen. Nehmen wir das Beispiel unser Jungfer und des Recken von gestern Abend.

Gerüchtemeisterin und Gerüchtelehrling treffen sich an der Taverne.
Gerüchtemeisterin: Hast du gestern den Recken und die Jungfer gesehen?
Gerüchtelehrling: Ja, und?
Gerüchtemeisterin: Ja, der hat die arme Jungfer hier an der Taverne abgefüllt!
Gerüchtelehrling: Nein, das glaube ich nicht, der wollte der armen frierenden Jungfer nur was zum aufwärmen spendieren.
Gerüchtemeisterin: Wenn ich es dir doch sage! Die Gerüchtemischerin hat das ganz genau beobachtet! Und dann sind die Jungfer und der Recke zusammen in den Zuber gegangen.
Gerüchtelehrling: Ja, aber zubern ist doch nichts verwerfliches, der armen Jungfer war doch so kalt, ich denke nicht, dass da was passiert ist.
Gerüchtemeisterin: Und ob da was passiert ist im Zuber! Der Recke wollte doch nur die Jungfer mit seinen Händen gefügig machen.
Gerüchtelehrling: Ich denke der Recke hat die Jungfer massiert, weil sie verspannt war.
Gerüchtemeisterin: Mir kannst du nichts erzählen. Später hat man die zwei Arm in Arm aus der Halle gehen sehen, die beiden haben bestimmt die Nacht zusammen verbracht.
Gerüchtelehrling: Meinst du nicht, dass der Recke die Jungfer einfach nur zu ihrer Kutsche gebracht hat?
Gerüchtemeisterin: Nein! Ganz sicher nicht! Die haben die Nacht zusammen verbracht. Ich koche schon viel länger Gerüchte als du, ich muss es doch wissen!
Die Gerüchtemeisterin hat den Gerüchtelehrling von ihrem Gerücht überzeugt. So wird die Kunde weiter verbreitet und noch ein wenig stilvoll verändert. Wenn das Gerücht beim letzten ankommt entspricht es nicht mehr ganz seinem Ursprung.
Gerüchteüberbringer: Hast du schon gehört, die Jungfer hat ihren Ehemann mit dem Recken, der eigentlich Frau und Kinder hat, betrogen und die Nacht mit ihm verbracht, das alleine ginge ja noch, aber der Recke lud noch seine Ganzen Freunde ein und daraus wurde ein wüstes Gelage!
Der Letzte: Nein! Wirklich?! Das erzähl ich sofort weiter!
Was lernen wir daraus? In Gerüchten steckt ungefähr soviel Wahrheit wie in den Geschichten des Lügenbarons Münchhausen. Aber sie sind und bleiben ein fester Bestandteil der Märkte. Schelmish spielte an diesem Tag einige Male in der Musikhalle auf. Die Spielleute waren sehr gut gelaunt und hatten sich enorm gesteigert! Die neuen Spielleute wurden schon sehr gut eingespielt und passen wunderbar dazu. Ein sehr lustiges Highlight war die Modenshow der Schelme, in der sie ihr teils neues Merch inkl. Frauentanga präsentierten. Eine sehr aussergewöhnliche, aber durchaus clevere Marketingstrategie. Insgesamt kann man sagen, dass alle anwesenden Gaukler und Musiker wunderbare Auftritte hingelegt hatten und ihren Namen alle Ehre gemacht haben. Natürlich hat jeder seine Lieblingskünstler, aber man sollte nie vergessen, dass alle Beachtung und Huldigung verdienen. Darum an dieser Stelle eine riesige Huldigung von mir an alle teilnehmenden Künstler, ohne euch wäre dieses Wochenende nie so schön gewesen, ihr seid das Radwerk, welches die Veranstaltung antreibt. Ein insgesamt wunderbares und gelungenes Wochenende neigte sich Ende zu und mir bleibt nur noch eins zu sagen: Danke an Alle, die dieses Mittelalterlich Fantasy Hallen Festival vor und hinter den Kulissen möglich gemacht haben!

Es grüsst und verneigt sich
Marion DdA

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aktualisiert: 05.04.2010