[Bilder] Der Zauber von Regensburg... (von Marion Thöny)

Regensburger Spectaculum 04. - 06. Juli 2008

Schon letztes Jahr besuchte ich eher zufällig als geplant das Spectaculum auf dem Grieser Spitz in Regensburg. Da sich dieser Markt als etwas ganz besonderes Erlebnis gestaltete, beschloss ich diesen Markt dieses Jahr geplant und mit einer gewissen Vorbereitung zu besuchen. Kann ja auch nicht schaden, wenn man ein Bett für die Nacht hat.

Schon vor einem Monat kümmerten Maike und ich uns ums Hotelzimmer, wie wir am besten hinkommen und fieberten dem Markt entgegen. Endlich am Donnerstagabend war es soweit. Nach der Arbeit bestieg ich den Zug in Richtung Deutschland und landete nach ein paar Stunden bei meiner Lieblingsmarktgefährtin und sehr guten Freundin Maike in Ulm. Wie wir Frauen so sind mussten wir erst Mal unser Wiedersehen bei einem Wein begiessen und darüber diskutieren was uns die nächsten Tage in Regensburg erwartete. Ausgeschlafen und fit bestiegen wir den direkten Regionalexpress nach Regensburg. Die Fahrt sollte 3 Stunden dauern, während dieser Zeit erforschten wir, wir lange man regungslos sitzen bleiben muss, bis einem der Allerwerteste einschläft und unterhielten uns darüber ob die Landschaft nun typisch bayrisch ist oder nicht. Und irgendwann hatten wir es geschafft und waren dann doch endlich in Regensburg angekommen!

Der Taxifahrer brachte uns sicher ins Hotel und philosophierte unterwegs in sehr bayrischem Dialekt über die Badegewohnheiten der Regensburger im Mittelalter. Wieder was gelernt und der Dialekt war zuuuu goldig. Einige wissen vielleicht was ich mit bayrischem Dialekt und Lederhosen verbinde, alle anderen dürfen mich gerne danach fragen. Kurz eingecheckt im Hotel, schnell Kriegsbemalung gemacht und ins Mittelalterliche Outfit geschmissen und los gings mit dem Bus zum Markt. Das letzte Stück des Weges mussten wir zu Fuss zurücklegen, was aber wegen der malerischen Landschaft und der schönen Aussicht von der Steinernen Brücke keinesfalls störte. Der Wegzoll betrug gerade mal 3 €, was in Anbetracht des Künstleraufgebotes sehr sehr wenig ist. In meinen Augen ist der Markt einfach malerisch gelegen, zwischen Bäumen auf einer Wiese am Ufer eines Flusses, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube es ist die Donau. Da wir seit dem Frühstück nicht mehr zwischen den Zähnen hatten suchten wir uns erst einmal einen Marktstand, der etwas Leckeres zu bieten hatte. Ich persönlich weiss zwar nicht genau, was ich da gegessen hatte, aber es war bestimmt bayrisch und sehr lecker. Als nächstes gingen wir sofort zu unserem Mittelpunkt und Lieblingsplatz des Marktes: Das Badehaus von Michel. Dort kann man sich einfach nur wohl fühlen. Man kann etwas trinken, sitzen, die Leute beobachten und hat immer künstlerische Unterhaltung. Offenbar haben wir letztes Jahr einen bleibenden Eindruck in Regensburg hinterlassen, wir wurden jedenfalls sofort wieder erkannt. Auf nähere Details gehe ich aus hormonellen Gründen nicht ein. Leider erfuhren wir an diesem Tag, dass die Bademagd von Michel, Karina, ihren Job an den Nagel hängen will und eine Nachfolgerin sucht. Sollte sich also eine holde Maid aus dem Rheinland, die jedes Wochenende Zeit hat für die Stelle interessieren, meldet euch beim Bader Michel. Maike und ich bildeten nur kurze Zeit nach unserer Ankunft eine Hühnersuppe, sprich wir zwei Mädels sassen alleine im Zuber und entdeckten erst einmal das ganze Spielzeug. Besonderes viel Freude hat uns das Geräusch von Michels Brüsten gemacht. Lange mussten wir nicht alleine bleiben im Zuber und bekamen Gesellschaft von vielen "schöne fremde Mann", der Bademagd Karina und dem besten Fotograf der Mittelalterszene Herb Jung. Der Zeitreisende hatte eine anstrengende Fahrt mit viel Stau hinter sich und konnte Entspannung gut gebrauchen und die findet man am besten im Badehaus. Die Mittelalterfrauenband Filia Irata bestritt an diesem Abend das Nachtkonzert. Wir hörten zwar die powervolle Musik, aber das reichte uns nicht. Wir schlangen uns ein paar Tücher um die Körper und stürmten nach Vorne Richtung Bühne und tanzten ausgelassen ein Weilchen. Auch der schönste Markttag ist einmal zu Ende und wir begaben uns in die Mittelaltertaverne "Zur geflickten Trommel" um den Abend ausklingen zu lassen. Ein sehr schöner Ort kann ich dazu nur sagen. Wer also einmal in Regensburg ist, sollte dieser Taverne unbedingt einen Besuch abstatten, es lohnt sich auf jeden Fall.

Der nächste Markttag begann für uns mit Frühstück suchen in der Innenstadt. Erfolg hatten wir ganz unmittelalterlich bei Subways. Auf dem Markt angekommen begaben wir uns direkt wieder zu Michel. Das Badehaus war einfach unser Lieblingsplatz. Zwischendurch nahmen wir uns am Samstag aber auch mal Zeit um den Markt zu erkunden. Alles Mögliche wurde dort feilgeboten. Im Allgemeinen so die üblichen Dinge wie Gewandung, Dekorationsgegenstände, Fressalien, Getränke usw. Aber es gab auch einige spezielle Stände die besondere Dinge feilboten. Zum Beispiel einen ganz speziellen Likör aus Österreich gab es und Gewandungsstände, die mal etwas anderes als die üblichen Labels darboten. Insgesamt kann man sagen, dass dieser Markt mit sehr viel Liebe zum Detail aufgebaut ist und auch dem Besucher, der von Markt zu Markt reist einen sehr schönen Eindruck vermittelt. Mein Eindruck ist, dass das Regensburger Spectaculum sehr abwechslungsreich ist. Es gab ein Kinderprogramm, ein Puppentheater, Lupus Vagabundus spielten auf dem Markt auf, Schaukämpfer stellten ihr Können unter beweis, es gab eine Schleuder und Feuerwaffenshow und da gab es noch die Jagd nach dem Kaiserschatz. Also das war sooo….Nachmittags verkündete Karina, dass wir später in dem wundervollen Fass auf dem Markt ein Moorbad nahmen und dazu sogar Badehosen bekommen und das gar nichts kostet. Nun, Karina hat eine sehr überzeugende Art und so konnten wir gar nicht nein sagen. In Herrenbadehosen und Brusttüchern gewandet begaben wir uns zum Holzfass und durften zu viert nach einer Münze im Moor suchen. Karina hat die Münze gefunden und somit einen Tag in den Kaiserthermen gewonnen. Schön matschig wie wir waren machten wir uns einen Spass daraus über den Markt zu gehen, Besucher davon zu überzeugen, dass sie uns umarmen wollen und ergatterten uns sogar noch beim Crepes Stand einen Calvados. Irgendwie gelang es uns auch noch den Matsch abzuwaschen. Indes hatte Saltatio Mortis die Bühne aufgebaut, da sie heute das Nachtkonzert spielten. Auf dieses Konzert war ich sehr gespannt, da ich noch keine Gelegenheit hatte dieses Jahr in Marktprogramm zu sehen. Und endlich war es soweit, um 20:30 stürmten Samo die Bühne und spielten ein tolles Nachtkonzert. Viele Lieder kannte man schon vom letzten Jahr, aber es waren doch einige neue Sachen dabei. So spielten sie beispielsweise einige Stücke von Ihrer Rockplatte in Akkustikversion. Geschmackssache, aber wer sagt den, dass immer alles mittelalterlich sein muss. Einige Themen gelten heute wie damals und die Gefühle der Menschen haben sich auch in 800 Jahren nicht geändert, wenn es um das Thema Verluste oder Liebe geht. Leider, leider war das Nachtkonzert viel zu früh zu ende, aber der Abend noch lange nicht. Saltatio Mortis kündigte noch eine Aftershow Party in der geflickten Trommel an. Während wir zu Fuss hin gingen und binnen 10 min. da waren und unterwegs sogar noch zu meiner persönlichen Freude einen echten Bayer in Lederhosen trafen, brauchten Samo etwas, bzw. sehr viel länger. Woran es wohl lag? Wir tippen auf eine Nachtstadtführung durch Cordoban, der ja bekanntlich ein Sohn der Stadt Regensburg ist. Wie auch immer, die Musi kam, wenn auch spät und die Party ging ab. Samo stellte sich auf die Tische und spielte was das Zeug hielt. Die Stimmung kochte und die Gäste feierten bis in die frühen Morgenstunden. Ich fand es sogar noch ausgelassener und lustiger als wie beim Nachtkonzert. Gerüchten zufolge haben einige Feierwütige die Trommel erst verlassen als die Sonne schon aufging.

Der Sonntag begann… sagen wir es mal so, viel zu früh und mit der Suche nach dem Gleichgewichtssinn. Mein neuestes Rezept gegen Kater heisst übrigens Kaffee, Butterbretzel und ganz viel Wasser. Zum Sonntag kann ich nicht viel sagen, da wir etwas matschig waren. Wir haben den Tag gemütlich ausklingen lassen, uns den Markt noch einmal angesehen und Lupus Vagabundus spielten noch ein paar Stücke am Badehaus als der Regen eingesetzt hatte. Schnell verabschiedeten wir uns und rannten durch den Regen in Richtung Bahnhof und fuhren nach Hause.

Ein kleines Schlussfazit zu Regensburg. Der Markt war einfach nur wunderschön. Es herrschte eine durchweg entspannte Atmosphäre und es war nicht so hektisch wie auf anderen Märkten. Man hat nicht rund um die Uhr Unterhaltung, aber die Künstler die da sind, sind etwas besonderes.. Die Stände sind schön und ausgewogen ausgesucht und die Preise sind auf jeden Fall auch in Ordnung. Wir werden auf jeden Fall nächstes Jahr wieder nach Regensburg fahren um unser Trauma wegen des schlechten Wetters am Sonntag und ein paar komischen Bayern zu bewältigen. Ein ganz speziellen Dank an dieser Stelle an die Stadtmaus Regensburg, die das ganze veranstaltet, an den Bader Michel und Karina für das Wellness und einfach alles, an die geflickte Trommel für den Ausklang des Abends und der Toleranz für die feiernde Meute am Samstag, an Saltatio Mortis die zwar mit ihrer Musi spät ankamen in der Trommel und für Stimmung sorgten, an die lieben Regensburger die wir wieder gesehen haben und danke an die Menschen die an diesem Wochenende mit mir gefeiert haben.

Marion "Rätia" Thöny im Juli 2008

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aktualisiert: 05.04.2010