[Bilder] Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Rastede 13.-16. Mai 2010

„Ich war nicht wirklich nackt. Ich hatte nur keine Kleider an.“ Josephine Baker

Vorwort: 15 Jahre MPS Rastede – da musste ja was Besonderes kommen, oder?

1. Akt: Die Odyssee nach Rastede(e)
Mittwoch, 12.05.2010 – 17.45 Uhr.
Es war wieder soweit. Aus der Univorlesung direkt zum Münchner Hauptbahnhof, Koffer aus dem überteuerten Schließfach holen, rein in den ICE und auf in den Norden. Diesmal mit erstem Ziel Oldenburg. Netterweise hat die Bahn eine direkte Verbindung dorthin eingerichtet, so dass ich ausgeschlafen um 00:13 Uhr (pünktlich! - mir kam das ja schon sehr verdächtig vor...) dort ankam. Ich hatte natürlich mitgedacht und mir meine Regionalbahnfahrkarte für den Zug weiter Richtung Rastede beim netten Schaffner gekauft. Also nur noch rüber aufs andere Gleis, einsteigen, aussteigen, kurz zum Parkplatz laufen und ins schon wartende Bettchen fallen. Klingt nach einem wunderbaren Plan. Ich hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass die Fahrpläne der Bahn nicht stimmen und mir 5 Minuten, nachdem der Zug nicht kam, eine genervte Stimme mitteilte: „Hier fährt aber heute kein Zug mehr, ne?!“ …
Nach zwei „Nachdenk-Zigaretten“ hatte ich beschlossen niemanden zu wecken, nicht zu warten bis eins von den vielen Autos, die irgendwo im Stau standen, vorbeikommt und auch nicht weiter mit den zwei Besoffenen am Oldenburger Hauptbahnhof reden zu wollen („Sachma, bissu eigentlich öfda hia? Dann könnwa jama n Bier zsssam tringen... *hicks*“) – also ins nächste Taxi und für teuer Geld nach Rastede. Der kroatische Taxifahrer kannte weder das MPS, noch eine Veranstaltung wie einen Mittelaltermarkt, noch wusste er, dass in Rastede am Wochenende eine solche Veranstaltung sei, wollte mir aber unbedingt seine Telefonnummer mitgeben, „falls was ist oder ich mal wieder in der Nähe bin.“ Somit ließ ich mich einfach am Bahnhof absetzen und lief dann im Stockfinsteren durch die leeren Gassen dieses kleinen Ortes (selbst gelbe „Fussweg“-Schilder sieht man da erst, wenn man davorsteht). Am Gelände angekommen war dann natürlich der Eingang abgesperrt, so dass ich einfach mal außen am Zaun entlang durch das Gestrüpp (mit Koffer und Unitasche und so für 12 Tage...) planlos entlangging bis einer der wunderbaren Securities (mein persönlicher Deus ex machina von Rastede – Danke nochmals!) mich fragte, ob er helfen könne... und so fand ich doch noch endlich den Weg zu meinem heiligen Bett – ca. 2 Stunden später und 10mal mehr Nikotin im Blut als geplant.

2. Akt: Plötzliches Unglück auf einem Haufen (lat. cumulo nimbus)
Nach ein paar Stunden Erholungsschlaf lief dann Gott sei Dank mal ein paar Stunden alles „normal“ - inwieweit das nun wieder für Außenstehende normal wär ist eine andere Sache, ist ja MPS – aber: es dauerte nicht lange, da schraubten wir Zapfanlagen ab und an, der Strom viel aus, Kurzschlüsse meinten ihre Existenz in Methschenken ausleben zu müssen und so Chaos verbreiten zu müssen. An diesem Punkt habe ich alle weiteren Pläne für die nächsten zwei Wochen über den Haufen geworden und mir gedacht: Wird schon so laufen, wie es laufen soll.
Und so nahm der Tag doch einen positiven Lauf: Denn neben den guten alten und geliebten bekannten Musikern Rapalje, Streuner und Metusa traten neue Künstler auf den Plan. Spectaculatius und Heiter bis Folkig brachten neue Lacher mit, die Irrlichter verzauberten vorallem die männlichen Wesen (die brauchten auch mal wieder was zu gucken) und Cumulo Nimbus brachten ihre elektrisierten Lauten mit. Daneben begeisterten die üblichen Verdächtigen mit Gaukelei und Narretey, Kunst, Kampf und Feuertreiben. Das alles bei relativ trockenem und angenehmen Wetter, was sich das MPS endlich mal verdient hatte. Es war ein sehr bunter Start in ein noch bunteres Wochenende.

3. Akt: Schotten in Röcken
Auch am zweiten Markttag sollte die Eroberung des Spectaculums durch neue Künstler nicht aufhören: Soar Patrol stellten ihr können unter Beweis und begeisterten sowohl Marktinventar als auch Besuchervolk. Ganz neue Richtungen, ganz neue Klänge fanden ihren Weg in so manches Ohr. Extra eingeflogen aus Schottland brachten sie neuen Wind von der Insel mit und heizten mit drei Trommeln, Dudelsack und E-Gitarre ein. Man spürte regelrecht das schottische Feuer übersprühen. Die Geschichten in schottischem Akzent der sympathischen Bärtigen am Pech-Zelt werden nie vergessen wohl nie werden. Man wird sie wohl öfters noch sehen, hoffe ich?! Aber das war ja nicht die einzige Band die spielte. Auch die Künstler des Vortags waren selbstverständlich vertreten, sowie die „unentbehrlichen“ Spielleute von Saltatio Mortis. Das Wetter hielt ebenfalls. Die Stimmung steigerte sich. Die Masse begann richtig zu feiern.

4. Akt: Feuerschwänze... jaja, das versaute MPS
Dritter Markttag – und schon wieder eine neue Band. Das hört ja wohl gar nicht mehr auf?! - Richtig! Feuerschwanz mussten dran glauben, bei vielen schon bekannt durch etliche Auftritte im Vorprogramm bei den Stammgästen Saltatio Mortis und lachten, tanzten und hüpften mit ihrem Comedy-Mittelalterprogramm über die Bühne – in Akustikversion, die sich durchaus mit dem Rockprogramm messen kann -, ließen „Lindwürmer“ vor der Bühne entstehen. Mit Coversongs von mittlerweile „Mittelaltermusikklassikern“ ala Herren der Winde und lustigen Choreographien zum Mitmachen (Auf- und Ab-Wippen schützt vor Schweinegrippe!) verbanden sie geschickt Gaukelei und Tanzmusik – so wie es auf dem MPS noch nicht gesehen wurde. Und auch an Schänken (Met und Miezen!), beim Aufspielen in der Masse wurden Feuerschwanz gefeiert. Ebenso ein gelungener Einstand, wie ich finde.
Neben Feuerschwanz gab es nochmals etwas für das Männerauge und die zarteren Ohren: Braagas verzauberten mit fernen Klängen und sorgten für zusätzliche Abwechslung.
Ansonsten: Vgl. Tag 2.

5. Akt:
Vierter Markttag – noch was neues? Nein. Außer dass Saltatio Mortis durch Schelmish ersetzt wurden. Aber hier bleibt mir nun Zeit zu erwähnen, dass sich das ganze Wochenende eine neue Falknerei noch die Ehre gab: Horus. Sollte man ja nicht vergessen. ;-)

Nachwort: Als wenn diese vielen neuen Künstler und Musikanten und Spassmacher nicht schon genug wären zum Jubiläum gab es natürlich noch ein riesiges Feuerwerk und spontan eine Feuerfontänenshow beim Traumspektakel, wie sie auf dem MPS noch nicht gesehen wurde.

Achja – und wer es nicht mitbekommen hat: Das Highlight von Rastede waren vier junge Burschen, die, vom Zuber aufgehitzt, dennoch schlotternd, quer über das Gelände liefen – selbstverständlich unbekleidet so wie Gott sie schuf – und sich einen heißen Met an der Drachenschänke abholten. Den Mut der vier jungen Männer bewundernd, oder auch die hagere Figur bemitleidend beschlossen die edlen Herren – das „Marktinventar“ höchstselbst – diesen edlen Recken noch Speise zu spendieren und letztendlich, um das Mahl gut abzurunden bestellte der Fleischbräter daselbst das männlichste Männergesoff: Kehlenschneider für alle vier und sich selbst – der als Magenbitter mehr oder weniger seinen Dienst tat. Wär eine wunderbare Geschichte – wenn es da nicht Moral in Deutschland gäbe und Bedenken von verschiedenen Seiten angemeldet wurden, ja sogar energisch vorgetragen wurden, dass Nacktheit auf dem MPS ja nicht zur Regel werden könne... Somit wurde, um weitere Streitigkeiten auszuräumen in Rastede das MPS Nacktheitsverbot erfunden.

Ein wunderbares Wochenende, viele neue Eindrücke, viele neue Gesichter und noch besser: ein Hauch von Sommer bleibt uns im Gedächtnis. Danke Rastede, dass wir verweilen durften.

von Jeany Leinweber - 17. Juni 2010

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aktualisiert: 18.06.2010