[Bilder] 02.-03. Juni 2007 Mittelalterlich Fantasie Spectaculum in Neunkirchen (Saarland)

Aerobic für die perfekte Zuberfigur und der Wetterfrosch lügt
Gisbert Hillers Mittelalterlich Fantasie Spectaculum begab sich diesmal auf die Reise nach Neunkirchen im Saarland, genauer gesagt ins Wagwiesental. Als Schweizerin habe ich nur am Rande mitbekommen wo das Saarland liegt und wie die Saarländer so sind. Nun, der Ruf, der ihnen vorauseilt ist nicht der Beste, jedoch konnten mich die Eingeborenen davon überzeugen, dass sie durchaus ein nettes und feierwilliges Völkchen sind.

Im Saarland ist alles anders
Freitagabend, 23:00 Uhr es giesst in strömen, obwohl es gemäss Wetterbericht nur leicht Regnen sollte. Wie soll ich das jetzt verstehen? Sind die Saarland derart optimistisch, dass bei ihnen eine Sinnflut als leichter Regen gewertet wird oder veräppeln sie uns Touristen einfach gerne? Jedenfalls sind die Saarländer sehr hilfsbereit, was ich schon bei meiner Ankunft merkte, denn in eben jener Sinnflut holten mich zwei Eingeborene am Bahnhof ab und geleiteten mich sicher zum Wagwiesental. Leider schüttete es immer noch wie aus Eimern und ich musste bei diesem Wetter mein Zelt aufstellen. Was tut man nicht alles für ein schönes Wochenende. Als dann nun auch meine Behausung stand, feierten wir erst einmal bei Sekt, Wein und Bier im Vorzelt von Angelus Rattus das obligatorische Richtfest. Anscheinend fanden noch andere ausser uns, dass es bei dem Wetter nicht sooo schön ist etwas draussen zu arbeiten, das merken wir, als uns der saltanische Anruf mit der Bitte nach helfenden Händen beim Ausladen erreichte. Klar machen wir, unsere Klamotten sind ja schon nass. Als nun endlich die Instrumente mit interessanten Namen wie "Klaus-Dieter" und "Uschi" auf der Bühne standen, hatten wir endlich Feierabend und konn-ten uns schlafen legen, denn auf uns wartete ein langes Wochenende.

Samstag, 02.06.2007
Eines muss ich an dieser Stelle mal loswerden, danke Gisbert, dass man auf dem Gelände zelten kann! Wie gemütlich und praktisch das ist, stellen wir just an diesem Wochenende fest, denn wir mussten für einmal nicht so früh aufstehen um pünktlich zur Markteröffnung auf dem Gelände zu sein. Das Gelände war eine grosse Wiese mitten in der Stadt mit vielen Bäumen und viel grün. Ein perfekter Ort für ein Spectaculum, einzig die Häuser im Hintergrund erinnerten daran, dass wir uns nicht im finsteren Mittelalter, sondern im 21. Jahrhundert befinden. Pünktlich um 13:30 Uhr eröffnete unser geliebter Marktvogt Eduard von Sonnenberg das Spectaculum. Leider waren noch nicht allzu viele Gäste angereist um dem Ereignis beizuwohnen. Nachdem der Markt eröffnet war, wollten wir erst einmal eine Marktrunde drehen um zu sehen, welche der Händler angereist waren. Mit Schrecken musste ich feststellen, dass einer der "Entspannungsstände" fehlte. Der Shisha Stand war zwar da, aber Bader Stefan und sein Badehaus fehlten. Der Anhänger unseres geliebten Baders hatte nach dem letzten Spectaculum einen Zusammenstoss mit einer Strassenlaterne. Fazit, dem Bader und dem Zuber geht es halbwegs gut, aber der Anhänger ist hinüber. Da viele auf das Badehaus auch in Zukunft verzichten wollen, wurde eine Spendenaktion, angeführt von Thoron gestartet, bei der auch einiges zusammen gekommen ist. So hoffen wir, dass wir bald wieder in Genuss der mittelalterlichen Badekultur kommen. Zwar fehlte der Badezuber, doch dafür gibt es eine neue Schänke: die Dryadenschänke von Mel. Das ist eine wunderschöne und mit ganz viel Liebe zum Detail dekorierte Schänke, an der es so leckere Dinge wie Bowle, Liköre und Säfte gibt. Mit anderen Worten es ist eine richtige Frauenschänke. Auch zu diesem Spectaculum waren wieder etliche Künstler, Spielleute und Gaukler angereist, um das Volk zu Neunkirchen zu unterhalten. Um einmal alle genannt zu haben: der Drache "Fangdorn", Dr. Dr. "Bombastus Theophrastus" und Bruder "Rectus", das Fakir-duo "Rafftan", die Fechtkampfgruppen "Fictum" und "Nemanice", die Gauklerduos "Pill & Pankratz" und "Forzarello", die Kleinkunstgruppe "das Schergenlager", der Kraftjongleur "Bagatelli", der Marktvogt "Eduard von Sonnenberg", die Spielleute von "Potentia Animi", "Wolfenmond", "Wolgemut" und "Saltatio Mortis". Den ganzen Tag über unterhielten uns diese Künstler, so dass es gar nicht möglich war sich alles anzusehen. Jedoch kann man sagen, dass das Spectaculum Unterhaltung auf höchstem Niveau bietet. Pill und Pankratz zum Beispiel, das Programm dieses Duos kenne ich mittlerweile auswendig, doch ich sehe es mir immer wieder sehr gerne an. Die beiden schaffen es immer wieder aufs neune das Publikum in ihren Bann zu reissen und zu begeistern. Sehr schön war auch die Marktbespielung von Wohlgemut. Vorzugsweise spielten sie auf Harfe, Nyckelharpa und Flöte vor dem Shisha Stand wundervolle Klänge, die zum verweilen und entspannen einluden. Langsam wurde es dunkel und das Traumspektakel begann. Ich kam zum ersten Mal in den Genus diesem Ereignis beizuwohnen, da ich normalerweise um diese Zeit immer im Zuber sitze. Traumspektakel ist eine wunderbare Sache, denn wenn man so wie ich nicht da-zu kam sich alle Künstler anzusehen, so kann man dies beim Traumspektakel tun. Sich das einmal anzusehen lohnt sich wirklich. Herausragend gut hat mit die Darbietung der Gauklerdous Forzarello und Raftan gefallen, die mit ihren feurigen Darbietungen das Volk in ihren Bann zogen. Nach dem Traumspektakel war es Zeit für das Nachtkonzert, welches von Saltatio Mortis gespielt wurde. Endlich tauten die Saarländer auf, oder waren betrunken genug von Toms Kehlenschneider. Die Stimmung war super und Saltatio Mortis spielten ein tolles Nachtkonzert. Es gab zwar das eine oder andere Problem mit der Technik, aber durch andere Aktionen machen die Spielleute das leicht wett. Zum Beispiel erfuhren wir, wer denn so alles Geburtstag hatte: Tom von der Drachenschänke, Angelus Rattus von den Totentänzern und Ouzo, die Tontechnikerin von Saltatio Mortis. Es erfreute mich wieder einmal sehr aufs Neue das Konzert von Saltatio Mortis zu sehen und zu hören. Die Gruppe ist mit den neuen Musikern zu einer Einheit verschmolzen. Wenn ich den ersten Mittelalterauftritt in der neuen Formation mit dem in Neunkirchen vergleiche, dann ist das ein Unterschied von Tag und Nacht. Zu meiner Freude wurden Saltatio Mortis auf der Bühne auch noch von Dorn dem Durchtriebenen (Spielbann) und Herr Schmitt (Ivory Night) an den Trommeln unterstützt. Auch das schönste Nachtkonzert muss man ein Ende haben, denn man will ja noch ein wenig an der Drachenschänke die Geburtstagskin-der feiern. So sah man Ouzo im kurzen schwarzen bei einem Sektexzess und andere witzige Dinge über die ich doch lieber einen Mantel des Schweigens hülle. An dieser Stelle wird sich der aufmerksame Leser fragen, warum ich nicht jedes Detail erzähle. Ganz einfach, nicht etwa weil es zensiert werden könnte, aber bei manchen Dingen muss man einfach selber dabei gewesen sein, um es richtig zu verstehen und da bleibt einem nur eines übrig: Das Spectaculum so oft wie möglich besuchen.

Sonntag, 03.06.2007
Nach erholsamem Schlaf stand ich auch und prüfte auch sogleich, ob der Wetterfrosch Recht hatte mit seiner Voraussage. Denn er kündigte bewölktes Wetter bei höchstens 22 ° grad an. Doch was musste ich zu meinem Erstaunen feststellen? Der Wetterfrosch hatte gelogen! Und wie der gelogen hat, statt kühlem Wetter und bewölktem Himmel sagte ich erst einmal meinem Sonnenbrand guten Morgen und machte ihm klar, dass er heute noch wachsen würde. So was aber auch, da stellt man sich auf nicht allzu sommerliches Wetter ein und bekommt fast die Karibik pur im Saarland. Der Wetterfrosch lügt eindeutig. Was macht man normalerweise bei so einem Wetter auf dem Mittelaltermarkt? Zuuuubern!!!! Aber das ging ja leider nicht. Doch uns wurde ein Alternativprogramm in Form von mittelalterlicher Aerobic für die perfekte Zuberfigur durch rhythmische Bewegungen zu den Klängen von Saltatio Mortis geboten. Die Spielmänner nahmen ihren Auftrag "Fit durch Mittelalter" so ernst, dass sie sich quasi diejenigen aus dem Publikum zum aufstehen aufforderten, die es anscheinend nötig hatten ihre Zuberfigur zu trainieren. (Warum wurde ich eigentlich auch dazu aufgefordert?! *Grummel*). Das nachmittägliche Fitnessprogramm by Samo strengt natürlich extrem an, so dass es mich zwischen den Fitnesslektionen immer wieder zu der Dryadenschänke zog. Ein wirklich gemütliche Schänke bei der Gauklerbühne mit Strohballen zum sitzen, erfrischenden Getränken und einem wunderbaren Ambiente, kurzum an der "Frauenschänke" wird auf die Bedürfnisse von uns Weibsbildern eingegangen. Da fällt mir ein, was haben eigentlich die Spielmänner und Bruder Rektus an der Frauenschänke verloren?! Wahrscheinlich wollten sie keine harten Schnäpse mehr, sondern zärtlich süsse Liköre. Kaum hatte man es sich an der Dryadenschänke gemütlich gemacht und dem grossen Bagatelli oder Bombastus bei seiner Darbietung gelauscht, war es auch schon wieder Zeit für die Aerobicstunde. Personal-Trainer Lasterbalk meint es wahrscheinlich nur gut mit uns allen, doch in der Sonne Aerobic machen ist sehr anstrengend, aber ich denke, dass alle anwesenden Turnerinnen und Turner nun die perfekte Zuberfigur haben. Während der Saltanschen Aerobicstunde ist mir einiges an den Saarländern aufgefallen. Die Saarländer sind zwar total nett, aber Spontaneität, Rhythmusgefühl und ein gutes Gedächtnis gehören nicht zu ihren stärken. Dafür haben sie eine Sprache, die kein Mensch versteht. Dies demonstrierte mir Dorn der Durchtriebene deutlich als er mir den Ausdruck "ahhh joo wäsche äwe" beibrachte. Die Saarländer werden jedoch mit zunehmendem Alkoholkonsum immer spontaner, aber nicht rhythmischer, und machen auch viel intensiver bei der Aerobic mit. Die haben sich doch nicht etwa die Musik schöner getrunken?! Hoffen wir es nicht. Am Sonntagabend vor dem Nachtkonzert fand das Familien Varieté statt, das entspricht vom Prinzip her dem Traumspektakel, nur mit dem Unterschied, dass das Programm eher für Kinder ausgerichtet ist. Da aber in jedem von uns ein kleines Kind steckt, denke ich, dass das Programm auch "grossen Kindern" sehr viel Freude macht. Das nachfolgende Abendkonzert von Saltatio Mortis bildete einen schönen Abschluss für das Neunkirchner Spectaculum. Es wurde dunkel und nach und nach verabschiedeten sich die Gäste vom Gelände und zogen wieder gen Heimat.

Montag, 04.06.2007 Kaffeefahrt durch Baden-Württemberg
Normalerweise enden meine Berichte am Sonntagabend, da ich aber nicht wie üblich nach Hause reiste, sondern Uwe der Bretzelbäcker mir ein Plätzchen in seinem LKW anbot, will ich auch über diesen Tag berichten. Eher früh begannen die Händler am Montagmorgen mit dem Abbau, da die meisten direkt nach Weil am Rhein fuhren. Nachdem ich der guten Heidi beim abbauen ein bisschen geholfen hatte, stieg ich zu Uwe in den LKW, der mir voller Stolz sein neues Navigationsgerät zeigte. Die Fahrt war recht kurzweilig und logisch bis etwa nach Karlsruhe, komischerweise wollte uns dann das Navi Richtung Pforzheim und Konstanz schicken. Da weder ich noch Uwe wussten wo genau Weil am Rhein liegt, glaubten wir einfach mal dem Navi., Richtung Süden wird schon stimmen. Kurz vor Ziel mussten wir jedoch feststellen, dass es in Baden-Württemberg eine zweite Ortschaft mit dem Namen Weil gibt und wir natürlich in der falschen waren. Aufregen bringt da nichts, stattdessen erfreuten wir uns an der schönen schwäbischen und badischen Landschaft. Wir stellten fest, dass es in dieser Gegend sehr viele Hügel gibt, was bei einem LKW mit Anhänger und wenigen PS nicht gerade vorteilhaft ist und dass im ganzen Bundesland eines immer präsent ist: Tannenzäpfle Bier von Rothaus! Uwe und ich waren uns auch einig, dass wir das Bier nicht mögen, auch wenn wir dafür wahrscheinlich von einigen Badnern und Schwaben aufs Dach bekommen. Ich glaube die trinken das nur, weil sie nichts anderes haben. Nach endlich 8 Stunden Fahrt erreichten wir das richtige Weil und waren sehr, sehr froh darüber. Man kann Irrfahrt auch positiv sehen, Uwe und ich kennen jetzt Baden-Württemberg sehr, sehr gut.

Fazit, Lobes- und Dankshymnen
Es war ein wunderschönes und unvergleichliches Wochenende in Neunkirchen, wel-ches mir noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Danke an Gisbert Hiller und sein Team, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben. Eine grosse Lobeshymne auf alle anwesenden Gaukler, Spielleute und Künstler, die die Gäste aufs vortrefflichste unterhalten haben. Dankeschön an den Bretzelbäcker Uwe fürs mitnehmen. Merci an meine Zeltgruppe für den Kaffee. Zu guter Letzt einen Gruss an meine Muse, danke für die Inspiration.

Marion "Rätia" Thöny

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aktualisiert: 05.04.2010