[Bilder] Samstag, 22. September und Sonntag, 23. September Anno 2007 Mittelalterlich Fantasie Spectaculum Schloss Maxlrain Tuntenhausen Die 2. Maxlrainer Rittersaison

Prolog I oder die Erklärung: War ich doch in letzter Zeit ein wenig Schreibfaul, so lag es nicht daran, dass ich nicht mehr Berichte verfassen will, weit gefehlt, mir fehlte schlicht und einfach die Muse. Doch diese fand ich just an diesem Wochenende in Form eines Meister Spezial Ostseetraums an der Dryardenschenke wieder; oder anders ausgedrückt Herb hat mich gebeten mal wieder etwas zu schreiben. Danke Onkel Herb für die Erinnerung, dass ich doch eigentlich ein Hobby habe und du mir in die Afterballen getreten hast.

Der zweitletzte Termin des Spectaculums (*heul* ging viel zu schnell vorbei die Saison) führte die Besucher diesmal ins tiefste Bayern zum Schloss und Brauerei Maxlrain, das politisch zu Tuntenhausen gehört, aber viel näher an Bad Aibling gelegen ist, als an Tuntenhausen (Das hat mir der Taxifahrer erklärt, vorausgesetzt ich habe seinen Dialekt richtig verstanden). Allein das Aufgebaut an Gauklern, Spielleuten und den Löwenrittern, mit einem wunderschönen Veranstaltungsgelände versprach ein Highlight der Saison zu werden.

Prolog II oder die Anreise: Spät, sehr sehr spät erreichten meine Weggefährtin Maike und ich das Veranstaltungsgelände. Nachdem wir mühsam im Dunkeln unsere mobilen Burgen aufgebaut hatten, spazierten wir noch ein wenig über das Gelände und nahmen unseren Schlummertrunk in Form eines Merlots und Klopfern ein. Tja, auf Schotterboden schläft man nun mal besser, wenn man ein wenig beduselt ist. Bei jenem Spaziergang im Mondenschein trafen wir noch auf die Spielleut Vermaledeyt, die an der Bühne ihr Feierabendbierchen genossen. Es war wohl mehr als eins, denn der Bühnenrand war hübsch dekoriert mit jenen leeren Flaschen. Wir diskutieren nun darüber, ob man jene leeren Flaschen nicht als Dekoration stehen lassen könnte. In einer symmetrischen Aufstellung hätte man sie vielleicht als Runendekoration durchgehen lassen können, doch wahrscheinlich wäre der Marktchef nicht allzu begeistert davon gewesen. So räumten Vermaledeyt die Bühne auf und wir begaben uns in Richtung mobile Burg. Auf dem Weg dort hin lernte ich noch ein Phänomen des Mittelaltermarktes kennen: „alkoholisierter tschechischer Ritter, mit dem man ein paar Worte wechselt, wovon er die Hälfte nicht verstanden hat und trotzdem glaubt, eine Einladung ins Zelt der holden Gesprächspartnerin verstanden zu haben und sich das nicht sooo leicht ausreden lässt". Gegen dieses Mysterium hilft nur eins: noch mehr Alkohol und ein paar nette Worte. So opferte ich meinen letzten Wein und konnte dann in Ruhe ins Bett gehen.

Samstag, 22. September Anno 2007

Nach einer harten Nacht - Schotterboden eignet sich nicht zum zelten, ausser man schafft es die Steine genau so auszulegen, dass man sich damit selber massieren kann - begaben wir uns um 11:00 Uhr auf das Gelände um es nun bei Tag in voller Pracht zu sehen. Eine weitläufige Wiese, die grossteils mit Büschen und Zäunen von der Strasse abgeschottet wurde mit einem grossen Markt und sage und schreibe drei Bühnen. Aufgrund des prall gefüllten Programms würde der Tag wohl ein wenig stressig werden, wenn man alle Programmpunkte erleben will, die man sich vorgenommen hat. Dies ist nur mit einem guten Zeitmanagement zu bewerkstelligen. Maike übernahm diese Aufgabe sofort und immer wieder blickte sie im Laufe des Tages auf ihren Taschenherold und sagte „Jetzt müssen wir zu der Bühne, dann haben wir Zeit für einen Meth und danach geht's zur anderen Bühne, wenn wir da fertig sind, haben wir ein bisschen Freizeit." Danke für managen meines Tages Maike, was wäre ich nur ohne dich. Die üblichen festen Eckpunkte wie die Markteröffnung, der Tanz der Marktleute, die Soldauszahlung und der Pestumzug umrahmten die einzelnen Auftritte der Spielleute und Gaukler.
In der Ritterarena gab es diesmal Darbietungen der Black Magic Pearls und der Löwenritter. Die Black Magic Pearls kann am besten mit Dressurreiten in mittelalterlichen Kostümen beschreiben. Nichts Weltbewegendes oder so, die Pferde waren sehr schön anzusehen und die Kostüme natürlich auch. Für Pferdefreunde bestimmt eine ganz tolle Sache, aber ich war nun mal nie Wendyleserin. Da schaute ich mir doch lieber eine der zahlreichen Mittelalterbands an, die auf dem Plane waren. Zum Beispiel Vermaledeyt (ehemals Societas Morbis), die wohl grösste überraschung der Saison in jeglicher Hinsicht. Sah man die Spielleute und Spielfrau noch letztes Jahr etwas unsicher mit Schalmeien auf der Bühne so ist das heute ganz anders. Sie präsentieren auf schweren Säcken, Davul, Trommel und Cello die Hitliste des Mittelalters. Bei vielen anderen Bands hat man das Gefühl, dass bei allen ein Palästinalied genau gleich klingt, doch nicht bei Vermaledeyt! Sie geben jedem der Stücke ihre ganz eigene Persönliche Note, Charme und Esprit. Die Damen und Herren war nun auch endlich im Studio und werden im Februar 2008 ihren ersten Silberling präsentieren. Ich bin gespannt, wie sich diese Band entwickelt. In Maxlrain gab es sogar drei Bühnen: Die Traumspektakelbühne nutzen einige Gaukler und Saltatio Mortis, die Musikbühne (meine Lieblingsbühne an diesem Wochenende) bespielten Schelmish, die Streuner und Faun, die Gauklerbühne war den Gauklern allein überlassen. Meine besagte Lieblingsbühne hatte den Vorteil, dass man auch vom Zuber aus das Geschehen auf der Bühne beobachten konnte.
Schelmish spielten einige Male auf an diesem Tag. Ihre Version der „authentischen Minne" kann ich nur weiterempfehlen, kann man nicht beschreiben, einfach nur ansehen:) Der Personalwechsel, der bei Schelmish stattgefunden hat, verbesserte diese Band enorm, auch wenn es ein bisschen Zeit brauchte bis dies deutlich wurde. Heute sind Schelmish wieder das was man an ihnen liebt: Mittelalterliche brachiale Musik auf höchstem Niveau, mit einer grossen Portion dreckigem Humor. Das ist es was Schelmish ausmacht und was ihren Geist ausmacht, dass sie eben so sind wie sie sind. Ihr neuester Streich „Wir werden sehen" wir am 19.10.2007 im Handel erhältlich sein.
Zwischendurch zog es mich doch immer wieder zu Toms Drachenschenke, wo ich schon viele schöne Stunden verbracht habe. Leider sind meiner Lieblingsschenke irgendwann der Bärenfang, dann der Cidre und schliesslich noch der Calvados ausgegangen. Ich kann mir schon vorstellen wer schuld daran ist, ich sage nur soviel, es fängt mit S an und hört mit altatio Mortis auf. Dankeschön! *Grummel Grummel* Gestärkt von Meth und Kräuterschnaps gings wieder zur Musikbühne wo die Streuner aufspielten. Sie schaffen es immer wieder, dass mir beim hören ihrer Texte die Schamesröte ins Gesicht steigt. Die Stimmung war jedenfalls immer super wenn die Streuner spielten. Endlich war ich nun im Besitz ihres neuen Discus Digitalis „V", ein tolles bunt gemischtes Werk mit Balladen, Schweinerein und Saufliedern. Halt so wie man es von ihnen kennt. Doch was musste ich sehen, was die Streuner am Merch verkaufen: Herrenunterbekleidung für heisse Nächte. Hoffentlich kaufen das die Kinder nicht. Nach dem mir schon wieder die Schamesröte im Gesicht stand, beschloss ich mir das Turnier der Löwenritter anzusehen. Leider enttäuschte es mich ein wenig. Letztes Jahr war das Programm jedenfalls besser, aber nun woher auch immer das kommt, ich war froh immerhin endlich überhaupt mal ein Turnier zu sehen dieses Jahr. Nun viel mehr als das Turnier erfreuten mich die Konzerte von Faun an diesem Tag. Die Baumschmusermukke, wie ich sie gerne liebevoll nenne. Faun haben in meinen Augen eine ganz eigene Art der Musik entwickelt, Paganfolk, alte Melodien und Sagen mit modernen und alten Instrumenten zu einem harmonischen und druckvollen Gesamtkonzept vermischt. Wen diese Musik nicht bewegt hat keine Seele oder ist taub. Einfach nur wunderschön anzusehen und zu hören.
Der Tag wich der Nacht und die düstere Seite des Mittelalters zeigte den Besuchern ihr schauriges Antlitz. Die Rede ist vom schwarzen Tod, die Pest ging umher. Eine Leiche nach der anderen wurde gefunden, auf den Pestkarren geladen und mit einem Pestumzug aus der Stadt geleitet. Diesmal durfte ich sogar eine kleine Rolle mit Text übernehmen, eine Frau, die aus dem Nachbarort kommt, die Pest nach Maxlrain brachte und starb. Für das bisschen „arbeiten" gabs sogar Sold, den ich natürlich direkt zu Toms Schenke trug. So schmeckt der Meth gleich viel besser, wenn man etwas dafür getan hat. Den letzten Auftritt des Tages bestritten Schelmish. Und so endete der erste Tag des Spectaculums mit einem fantastischen Konzert, der fettesten und einer der besten Mittelalterbands der Welt.

Sonntag, 23. September Anno 2007

Ahh Hilfe, war die Sonne schon immer so hell?! Nach einer viel zu kurzen Nacht, viel Kaffee - am besten intravenös - begaben wir uns wieder auf das Gelände. Heute sah man erstaunlich viele Menschen in bayrischer Landestracht auf dem Spectaculum, komischerweise musste ich bei dem Anblick an einen Film denken, der mein Leben geprägt hat. Na wer kennt den Film Heidi Heida?! Achtung FSK 16. So hatte ich den ganzen Tag ein wahnsinnig interessantes Kopfkino. Dieses versuchte ich bei der Drachenschenke zu bekämpfen, doch die war ja leider halb leer gesoffen. *grummel* Wie immer nehme ich mir am Sonntag etwas mehr Zeit um die Gaukler anzusehen.
Eines meiner Lieblingsgauklerduos Forzarello war anwesend um die Massen mit ihren Jonglier- und Trommelkünsten zu erfreuen. Ich finde die beiden einfach genial! Akrobatische Einlagen mit viel Komödie, das ist es was Forzarello in etwa präsentieren. Wenn es dunkel ist, sogar mit Feuer. Am Tage des Herren reisten auch zwei andere Mittelalterbands an, die ich bisher selten gesehen hatte: Die Bruderschaft Potentia Animi und Wolfenmond. Ich weiss nicht warum, aber ich habe es bisher noch nie geschafft mir ein ganzes Set der Bruderschaft anzusehen, also holte ich dies heute nach. Potentia Animi… hmmm was soll man dazu sagen? Religiöse Satire mit Mittelaltermusik? Ja ich glaube in etwa das ist es was sie präsentieren. Jedenfalls hat mir die Darbietung gefallen, die Ansagen waren doch gewöhnungsbedürftig, aber lustig.
Pill und Pankratz waren wie so oft auch da. Ich glaube ich habe es schon mehrfach erwähnt, die werden nie langweilig. Man muss die beiden nur anschauen und beginnt zu lachen. In den beiden stecken wahnsinnig gute Schauspieler mit einem grossen Talent für die Komödie. Ich hoffe ja, dass es bald einen neuen Silberling von den beiden geben wird für einsame und traurige Stunden daheim. Die Streuner waren immer noch da und heute wurde ich wegen der Texte nicht mehr ganz so rot wie am Vortag, ich wusste ja was auf mich zukommt. Irgendwie kamen mir die einzelnen Sets immer viel zu kurz vor. Gerade wenn man sich warm geklatscht hatte, war es schon wieder vorbei. Ich habe da mal über etwas nachgedacht, wenn Mittelalterbands mit Trommeln und Dudelsäcken Bums- und Blaskappellen (dieser Ausdruck stammt nicht von mir) sind, dann sind die Streuner folgerichtig eine Streichelkappelle. Hmm, das klingt so schön harmlos.
Leider schaffte ich es an diesem Tag nicht mehr mir Dr. Dr. Dr. Bombastus und Bruder Rectus anzusehen, doch das ist nicht sooo schlimm, ein Spectaculum folgt ja noch, bevor die Saison zu Ende ist. Leider musste ich auch eher früh aufbrechen, da die Lichterstadt Luzern doch recht weit weg ist von Tuntenhausen. Zum Abschluss gönnte ich mir noch ein entspannendes Bad im Zuber. Dabei kann man auch so schön die Touristen ärgern. So neigte sich ein wunderschönes Wochenende auf dem Spectaculum seinem Ende zu.
Zur Unterhaltung und Belustigung der Gäste waren angereist: Die Löwenritter, Alchemist Kelvin, Bettler der hässliche Hans, Dr. Dr. Dr. Bombastus und Bruder Rectus, Fakirduo Rafftan, Fechtkampfgruppe Fictum, Fechtkampftruppe Nemanice, Feuertheater Spiral-Fire, Gaukelei Links zwo 3, Gauklerduo Pill und Pankratz, Gauklerdou Forzarello, Hexe Walpurga und Emilie der Wundermops, Kleinkunstgruppe das Schergenlager, Kraftjongleur Bagatelli, Marktvogt Eduard von Sonnenberg, Faun, Potentia Animi, Schelmish, Wolfenmond, Die Streuner, Saltatio Mortis und Vermaledeyt.

Es grüsst und verneigt sich
Marion „Rätia" Thöny

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aktualisiert: 05.04.2010