[Bilder] Ein wurmiges Wochenende mit Paukenschlag zum Abschluss. (Biene und Herb in Kaltenberg - Juli 2012)

Ich habe recht lange nachgedacht, ob ich über dieses Wochenende einen Bericht schreiben soll oder nicht. Ja oder nein, und wenn ja, was? Aber gut. Warum denn auch nicht. Muss ja nicht immer alles kritiklose Lobhudelei sein.
Dieses Wochenende war ich also zum ersten Mal beim Kaltenberger Ritterturnier. Obwohl ich im Allgäu studiert habe, hatte ich es bis jetzt nicht geschafft, mir das Ganze anzusehen. Ganz ehrlich: bis jetzt hatten mich auch die Preise heftig abgeschreckt. Ab 22,- Euro, dann noch ohne Platz im Turnier, sondern nur auf dem Gelände, nein danke! Durch einen glücklichen Umstand und Vitamin "H" (wie Herb) hatte ich dieses Jahr nun die große Ehre, Gast bei den Schwarzen Rittern zu sein!

Also gut. Biene war also da. Wie war es? Zum objektiven Teil: Da ich ja sonst eher auf dem MPS (Mittelalterlich Phantasie Spectaculum) zu finden bin, war es sehr schön, mal was anderes zu sehen. Die fest installierten Buden und Tavernen, das leicht übertriebene Disney-Traumschloss aus Pappmaché, die Arena… alles sehr schön. Stimmig und urig ist auch die Fressmeile mitten im Wald mit lauter Feuerstellen und Heerlagern und natürlich das höchst eindrucksvolle und vermutlich sehr authentische ("...aber wer kann das schon so ganz genau sagen?","Darüber kann man diskutieren!" ja, ja!) Wohnhaus der Kelten. Gaukler, deren Show man noch nicht auswendig mitsprechen kann und Neues an Kulinarischem, Herden von kleinen Widdern und Gänsen, sehr schön, sehr gerne, immer wieder. Mist, nur die geniale französische Gauklertruppe hab ich irgendwie verpasst. Naja, höhere Gewalt, vermutlich.

Der Einzug der Massen an Mitwirkenden in die Arena ist sehr imposant. Hinter der ganzen Sache steht echt viel Organisation. Klar, dieses Spektakel wächst schließlich schon seit 33 Jahren. Da kommt einiges an Struktur zusammen. Von dieser Seite her kann man echt nicht meckern und da sind die Eintrittspreise fast vergessen.

Wirklich freudentaumelnd bin ich aber trotzdem nicht aus diesem Wochenende gewankt. Was mir persönlich gefehlt hat, was das Gefühl, nach Hause zu kommen. Der Seufzer "Endlich normale Leute". Denn man kann wohl einiges über mich und meine kunterbunte Kluft sagen, aber eines bin ich mit Sicherheit nicht: historisch korrekt. Ich zieh mich auf den Märkten an, wie ich mich fühle. Das scheint in Kaltenberg ein Problem zu sein. Auf dem MPS errege ich kaum Aufsehen. Und dass man mich in meiner Freizeit schon allein wegen der Haare in der Tram doof anglotzt, bin ich mittlerweile auch gewohnt. In Kaltenberg war es allerdings recht irritierend, von den Touristen UND den Teilnehmer angegafft zu werden, als hätte ich grüne Punkte im Gesicht. Das strengt an. Wobei ich mich hier noch mal ganz herzlich bei den tollen schwarzen Rittern bedanken möchte, die mir mit ihrer echten und herzlichen Behandlung das Wochenende gerettet haben, neben Leuten wie Herb, Jeany und Tobi natürlich. Ich bin auch echt froh, dass ich im Lager der Schwarzen Ritter um ein Hexengericht rumgekommen bin, und nur mit dem neon-gelben Warnhinweis auf mein offensichtlich magisches Potential beklebt wurde.

Die Stimmung fast versaut hat dann der krönende Abschluss. Wir haben uns heimwärts schön Zeit gelassen und sind in Ruhe am Bodensee entlang gegondelt. Dementsprechend spät waren wir zuhause. Recht fertig und leicht unausgeschlafen hat mein Herzallerliebster mich am Montag in die Arbeit nach Basel fahren wollen. Weit gefehlt.
Wir merken uns: man fährt nicht einfach mit einem Kofferraum voller Camping- und Marktsachen über die Schweizer Grenze. Die schnüffelnasigen, "düpflischissigen" Eidgenossen hängen sich dann nämlich an einem Messerchen auf und das Ganze endet über eine Stunde später und um gute 600 CHF ärmer mit der Aussicht auf Post von der Kantonsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt.
Zuwiderhandlung gegen das Waffeneinfuhrgesetz oder so. Wie viele Eselsohren-in-Bücher-Knicker, Fliegen-die-Flügel-Ausreisser und Seifenblasen-Zertreter in der Zeit, in der Elljot (Herbs Auto) fachmännisch durchsucht und auseinander genommen wurde, unbehelligt die Grenze passiert haben, bleibt wohl ewig im Dunkeln verborgen. Hmpf. Seltsames Wochenende.

von Biene am 31.07.2012

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aktualisiert: 31.07.2012