MPS Hohenwestedt (bei Neumünster – oder auch „Hoch im Norden“) 22.-24. Mai 2010

„Das öffentliche Wohl soll das oberste Gesetz sein.“ Marcus Tullius Cicero
oder auch: Das Wochenende des Gefieders.

Und der Sommer, der in Rastede vorsichtig anklopfte, kam herein – Sonnenschein in Hohenwestedt zur Markteröffnung. Juchey! Hing das mit Pfingsten zusammen?!
Und das auch noch auf einem der schönsten MPS Geländen.
Im hohen Norden bei Neumünster findet das MPS mitten in einer kleinen Parkanlage – Park Wilhelmshöhe – statt. Zwischen Bäumen, Wiese, Waldweg und Büschen und trotz wesentlich vergrößtertem Gelände kam – passend zum Film-Hype – wiedermal ein wenig Robin Hood Atmosphäre auf.

Zum Ablauf: Samstag Markteröffnung. Teeren und Federn Teil I.
Der Fischhändler musste bestraft werden. Für Unkundige zur Erklärung: Wenn dem Marktvogt Verhalten, Verkauf oder Sonstiges von Marktteilnehmern missfällt, oder berechtigte Beschwerden an ihn herangetragen werden, muss Beschuldigter angemessen bestraft werden. Wie üblich meist durch öffentiches Teeren und Federn, da es erstens spektakulärer ist als ein Pranger und zweitens dem Marktvogt und seinem zur Obhut gegebenen Mönch anscheinend mehr Spass macht. So wird der Beschuldigte mit Teer bestrichen (meist Oberkörper und Kopf – in besonders harten Fällen auch an anderen Stellen) und anschließend mit Federn bedeckt, so dass Federn und Teer, nach kurzem Antrocknen, wunderbarst am Körper haften bleiben.
Und eben genau dies – in harmloser Variante musste am ersten Markttag der Fischhändler über sich ergehen lassen – der Grund ist mir leider entfallen. Ich bitte um Verzeihung. Ich erinnere mich jedoch, dass die Strafe durchaus angemessen war und kein Unrecht geschah.

Nach dieser doch, Gott sei Dank, außerordentlichen Markteröffnung – ja, es ist an sich ein geordneter, disziplinierter Markt mit berechtigt gutem Ruf (wir wussten ja nicht, was an diesem Wochenende noch alles passieren würde) – begann das bunte Treiben. Allen voran spielten die Spielleute Saltatio Mortis sich wieder in unzählige Frauenherzen. Rapalje sangen von schottischen Kilts, unter denen wirklich nichts drunter ist, Fernweh, wilden Festen, Abenteuern und der Schönheit des Lebens, die für viele unentdeckt bleibt. Metusa feierten und tranken mit dem Volke zu ihren wunderbaren Sauf-, Trink- und Spielerliedern und Soar Patrol brachten, wie schon in Rastede die Tanzwütigen zum Kochen. Immer wieder huschten Waldwesen und Feuervögel an einem vorbei, Theater, Gaukelei, Hexerei, Narretei und Artisten waren zu sehen wohin man nur schaute.
Leider waren aber nicht alle Mitwirkenden so konzentriert und fehlerlos wie die Mehrzahl der Künstler, die ich aufzählte. Zuerst zu nennen sind die Schankmägde und der Schankknecht der Metschänken an diesem Wochenende. Denn zu aufgeheiztes Mohrwasser (es war wirklich das erste sehr sehr warme Wochenende... *pfeif*) verärgerte den König des Spektakels, der sich meist im Hintergrund hält, so sehr, dass er seinem Marktvogt mitteilte, der Schankwirt müsse am folgenden Tage bestraft werden. Dabei blieb es jedoch nicht und am Ende des Tages stand fest, dass am nächsten Morgen die gesammte Schänkenbagage geteert und gefedert wird.
Doch damit nicht genug. Am Abend löste ein Spielmann – auch bekannt unter dem Namen Lasterbalk der Lästerliche – sein Versprechen des nächtlichen Tavernenspiels an der Drachenschänke nicht ein (die Gründe mag sich jeder selbst ergründen wie er mag) und war damit auch zum Teeren und Federn bestellt. Nur wurde ihm dies nicht mitgeteilt. Spielmannsstrafe...

Sonntag Markteröffnung. Teeren und Federn Teil II – extrem.
Nach seiner Rede am Heroldsturm zog der Marktvogt nun also mit Sack und Pack Richtung Eröffnungsplatz. Doch dieser wartete nicht leer auf ihn. Die fünf zu Bestrafenden der Drachenschänke hatten diesen besetzt und demonstrierten schweigend mit Schildern der Aufschriften „Stoppt Teeren und Federn“, „Dagegen“, „Nein zu Sanktionen“ und der Beschwerde „Nippelalarm“, da sie in Wissen, was auf sie zukam und weil sie als Schankmägde und Knechte am Hungertuch nagen und sich kaum neue Kleidung leisten können (*griiins*), halbnackt erschienen.
Der Marktvogt ließ sich das selbstverständlich nicht gefallen und die Wachen entfernten den stillen Protest, nahmen sicherheitshalber die Beschuldigten sofort in Gewahrsam.
Und nun begann das Chaos. Nach kurzer Warenpräsentation – immer wieder gestört - musste zuerst Bruder Rectus seine Strafe empfangen. Er war also der erste, der mit Teer und Federn eingekleidet wurde. Anschließend musste wegen Fehlverhalten ein Ritter von „Fictum“ seine Strafe empfangen... und dann wurde mit einer List - „man braucht zum Teeren und Federn von Frauen jemanden, der sich mit ihnen auskennt“ - der lasterhafte Spielmann zur Bühne gelockt, und nach bereitwilligem Kommen und Freude in Gewahrsam genommen und ebenfalls der würdigen Strafe unterzogen. Es folgte der Schankwirt, und nachdem der Marktvogt festgestellt hatte, dass er selbst einen Fehler am heutigen Tage begangen hatte, da es Verständigungsprobleme mit den Spielleuten der Streuner gab, befahl er, dass er selbst ebenfalls geteert und gefedert wurde. Als nun danach Teer und Federn ausgegangen waren, wurden die drei Schankmägde und der Schankknecht gütigerweise verschont. Spektakel war es auch so genug. Denn nun war der Markt eröffnet und über den Platz liefen fünf geteerte und gefederte Männer – ein wirklich kurioser Anblick.

Der Rest des Tages verlief wider Erwarten nach solch einem wundersamen Morgen ohne Besonderheiten. Es war ein ruhiges Fest. Wie schon erwähnt waren zu den Spielleuten des ersten Tages die Streuner und auch die Spielleut Schelmish dazugestoßen und bespielten die zwei Bühnen des Marktes. Der Abend fand noch einen Höhepunkt in einem gemeinsamen Auftritt von Soar Patrol und Schelmish, die eine tiefe Freundschaft verbindet. Ein umwerfender Klang drang von der Bühne mit drei Trommeln und vier Dudelsäcken herüber, so dass letztendlich sogar eine Verstärkerbox ihren Geist aufgab.

Montag Markteröffnung. Kein Teere und Federn.
Keine besonderen Vorkommnisse den ganzen Tag über, außer immer wieder einsetzende Regengüsse. Ein gemütlicher Markttag am Feiertage, der hauptsächlich von Familien und Senioren genutzt wurde. Zum Tanze spielten die Streuner, Metusa und Heidenlaerm auf. Gaukelei und Narretei fanden guten Zulauf und vorallem die Theaterkünstler konnten sich über reiches und begeistertes Publikum freuen.

Ein weiteres Wochenende, an dem das MPS die Besucher mehr als unterhalten konnte und sie mit unvergesslichen und unvergleichlichen Erinnerungen nach Hause gingen.

Und (persönliche Anmerkung von mir): Die/Ihr, da oben, im Norden, müssen/müsst unglaublich auf Süßes stehen: Kontinuierlich ließ sich eine ellenlange Schlange vor der süssen Bude finden... Es war ein herrliches zusätzliches Schauspiel.

Auf ein weiteres Mal. Ich habe den Norden liebgewonnen.

von Jeany Leinweber - 17. Juni 2010

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aktualisiert: 18.06.2010