Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Gelsenkirchen

„Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen?" (Georg Christoph Lichtenberg)

Frei nach diesem Grundsatz war es mehr oder weniger eine Pflicht – wie es schien - für Mittelalterbegeisterte, MPS-Fans, Jahreskartenbesitzer, Aktive und Passive, Verrückte und Teilzeitverrückte aus dem gesamten deutschsprachigen Gebiet am vierten Aprilwochenende in den Kohlenpott nach Gelsenkirchen zu pilgern um bei Wein, Weib und Gesang die neue MPS Marktsaison zu eröffnen.

Freitag Abend, nach kurzem oder auch etwas längerem Versuchen („Wenn wir da jetzt nicht bald reinkommen, häng ich halt so nen Pfeiler aus!!!“ - ja der Revierpark ist gut gesichert. Kompliment an die Stadt Gelsenkirchen.) den offiziellen Zeltplatz innerhalb des Revierparks zu erreichen, war die Wiedersehensfreude mit den ersten bekannten Gesichtern, Freunden und auch Bekanntschaft mit vielen neuen Liebgewonnen ungebremst und heiter. Nach etwas langegzogenem, genossenen Zeltaufbauen wurden die ersten Lagerfeuer und Grillkohlen des Jahres angeheizt, bzw. noch schnell Essbares aus der Innenstadt besorgt, so dass die erste lange Nacht unterm strahlenden Himmelszelt kommen konnte – und davon konnte uns auch leichter Frost und Nebeldunst nicht abhalten. Dabei war die Vorfreude natürlich ein Riesengroßes Thema, man sinnte die letzten Jahre nocheinmal nach, und tauschte sich über die Veränderungen und die Meinung darüber aus. Bis um 3 Uhr die Kälte und die Vernunft sagten: es ist eben doch erst April und morgen wird ein langer Tag.

24.04.2010
Und der kam wie immer schneller als gedacht. Aber eben auch das entspannte Zeltfrühstücken bis der Markt eröffnet. Bei strahlendem Sonnenschein konnte der Einlass nicht schnell genug kommen – so pilgerten wir pünktlich um 13 Uhr zum Einlass. Diesen überwunden, ging das Wiedersehen weiter. Man wusste, was man die marktfreie Zeit von Dezember bis April vermisst hatte und warum dieser fahrende Markt irgendwie eine Art zu Hause darstellt. Besiegelt wurde der Beginn eines neuen wundervollen Jahres dann um 13.30 Uhr durch die Markteröffnung.
Bis hierhin war alles nach Plan gelaufen im großen und ganzen. Doch dann hörte ich: „Du arbeitest heute noch.“ - Achja? Man ist ja lieb – und man braucht ja auch das Geld. Und so wurde der erste, und vorerst auch letzte arbeitsfreie Markt übern Haufen geworfen. Doch Arbeiten heißt ja nicht, nicht feiern. Und deshalb wurden Gespräche, Getanze und Spass aller Art von meinen Freunden kurzerhand immer wieder zu mir verlegt.
Und es folgten die ersten Dudelsack- und Schalmeitöne, die ersten Trommelschläge, Laute von Seiteninstrumenten aller Art, Jubelgesänge, ekstatische Tänze und Metverzehrungen... und auch das Wetter feierte mit uns bei strahlendem Sonnenschein und warmen Temperaturen. Saltatio Mortis, Vermaledeyt und Die Streuner feierten auf der Hauptbühne, Duivelspack und Luxuria Auris dominierten als Spielleut die Gauklerbühne. Dort und auf den anderen Bühnen trieben sich auch wieder – hach, ein wenig Beständigkeit tut dem Leben manchmal auch gut – die üblichen Verdächtigen rum: Forzarello, Bagatelli, der hässliche Hans, die „sich mit Eisen Hauenden“ (Zitat ca. 6-jähriger Junge) – natürlich Fictum, Narrenkai und und und... rum. Nebst Marktvogt von Sonnenberg und Bruder Rectus – ja, und „sogar sie hatten wir vermisst“.

Und es verging der Nachmittag, und es wurde dunkler, die Nacht hielt Einzug und das erste Abendkonzert gespielt von Vermaledeyt, das erste Traumspektakel und das erste Nachtkonzert gespielt von Saltatio Mortis standen auf dem Plan. Der Bühnenvorplatz war gefüllt, die Stimmung war herrlich und der Meth floss in Strömen. Kurz nach Ende des Nachtkonzertes konnte ich dann auch noch ein wenig die Marktstimmung privat genießen und plaudern... ein wichtiges Telefonat in kleiner Gruppe nach Neuseeland führen (Marktstimmung und Feierlaune lässt sich auch per Telefon übermitteln!)... und so fand die Nacht einen ruhigen gemütlichen Ausklang an der Drachenschänke.

25.04.2010

Der Sonntag stand dem Samstag in nichts nach. Ebenso strahlender Sonnenschein, ebenso warme Temperaturen, ebenso viele Sonnencremes wurden vermisst und deshalb der Schatten unter den Bäumen im Revierpark ausgenutzt. Viele Familien mit Kindern genossen ebenso das schöne Wetter, wie die Senioren, die die seit 2010 neue Senioren- und Rentner-Ermäßigungen nutzten und so eine neue Welt kennenlernten. Es war wiedermal faszinierend zu sehen, wie groß und klein, jung und alt, Fan der Mittelalterszene und Neuling auf dem Gebiet durch ein einfaches Thema, eine einfache Vernastaltung an einem Sonntag Nachmittag in Austausch kamen, Menschen, die vielleicht ohne die se Möglichkeit Hemmungen gehabt hätten, miteinander umzugehen.
Begleitet wurde der Tag ebenso von Musik, Tanz, Gaukelei und Schabernack wie der Tag zuvor, nur dass anstatt von Vermaledeyt und Saltatio Mortis nun Schelmish dem Volke einheizten, gegipfelt in ihrem Abendkonzert. Und das setzte den den Endpunkt der Veranstaltung.
Doch von Wehmut und Trauer konnte keine Rede sein. Es war das erste von nicht zählbaren Wochenende für viele von uns, es war der Auftakt einer riesigen Sommersaison 2010, voll von Veränderungen - wie es scheint – und neue Wege sind es doch, die den Reiz des Lebens ausmachen...

von Jeany Leinweber - 12. Mai 2010

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aktualisiert: 18.05.2010