[Bilder] 11.-14. März 2011 Gelnhausen - Barbarossamarkt

"Denke immer daran, daß es nur eine allerwichtigste Zeit gibt, nämlich: sofort!"
(Leo N. Tolstoi)

Und genau deswegen beschloss ich kurzerhand - trotz dringenden Uniaufsätzen und anstehendem Fremdsprache lernen - mich in das schöne, mittelalterliche Gelnhausen zu begeben, wo doch das ein oder andere bekannte Gesicht (vorallem wegen vorheriger Einladung meinerseits) auftauchen würde. Mitfahrgelegenheit in Metkollege Karsten gefunden, rauf auf die Autobahn und ab Richtung Hessen. Vier Stunden, viele Worte und keine Pause (trotz Frau im Auto, ja) fuhren wir durch die engen Kopfsteinpflasterstraßen Gelnhausens... Parkplatz direkt vorm Markt gefunden und raus aus dem Autolein: *schnupper* *nochmal schnupper* "Maaarkt. :) Das riecht richtig nach Mittelaltermarkt!" Nachdem ich drei Wochen zuvor mit Schelmenblut (*den Schelmen wink*) den Markt in Telfs besucht und sogar bespielt (o.O) hatte, und mich beim abendlichen Konzert von Vermaledeyt und Saltatio Mortis bedudeln lassen hatte (der Jägermeister sei auch nicht vergessen) - und mir dort irgendetwas zum richtigen Erstmarktfeeling fehlte, wusste ich nun: Es war der Geruch! Ich war wieder zu Hause.

Karsten ins Hotel schicken zum Umziehen - der musste ja heute noch arbeiten *hihi* - und ab Schenke suchen. War auch gar nicht allzu schwer... und die Wiedersehensfreude hätte kaum größer sein können... in der wunderbaren rechteckigen Kulisse von alten Fachwerkhäusern war ein stimmungsvoller runder Markt aufgebaut (das von der Stadt verlangte Riesenrad im Hintergrund ignorieren wir großzügig), in dessen Mitte mein zweites zu Hause auf Märkten mich anlachte: Die Schenke unseres guten Freundes Nase. Und genau darauf lief ich jetzt in schwarzen Lederklamotten (mit Hut!) - total anti-mittelalter *kicher* - zu. "Du bist ja in normalen Klamotten ne richtig schicke Frau." - "Danke, Nase, ich freu mich auch dich zu sehen." Und schon war alles wie immer: wir berichteten uns in der Runde von Dörthe, Bussy, Nase, Herb und mir vom letzten Winter, von den Plänen für den Sommer und genossen gemeinsam das erste Metbier des Jahres. Karsten kam noch hinzu und wir beschlichen mal die ersten Stände, holten das erste Essen (endlich wieder Flammkuchen!) und schäkerten mit den bekannten Gesichtern. Der Markt füllte und füllte sich und als es dunkel wurde, standen um die lauschigen Lagerfeuer viele Grüppchen von feiernden, mauschelnden und trinkenden Menschen. Es war eine grandiose Marktstimmung, die ich Freitagsabends in Gelnhausen noch nicht erwartet hatte, ehrlich gesagt. Wir stellten an der Schenke klebend fest, dass Winter überflüssig ist, dass Met = lecker und vor allem heisser Met (wie jedes Jahr), und dass alles in China erfunden wurde, und das nur wegen den Ming Vasen. Papier, um Ming Vasen einzupacken, das Rad, um Ming Vasen zu transportieren, Geld, um Ming Vasen zu bezahlen, Porzellan, um Ming Vasen herzustellen, Schiesspulver, um das Material für die Ming Vasen abzubauen, die Chinesische Mauer, um die Vasenfabriken vor Barbaren zu beschützen - und wir lüfteten sogar das Geheimnis, warum die Seidenstraße nicht Vasenstraße heisst: Tarnung! Das sollte keiner Wissen, dass dort Vasen transportiert werden!!!
Nach diesen und anderen Bierlaunen, traf dann auch irgendwann der geistliche Beistand ein: Horis war da, und ich schäumte über vor Wiedersehensfreude. Der Abend ging noch fröhlicher und bierlauniger weiter... und der Platz wurde und wurde nicht leerer. Ein voller Erfolg.
Irgendwann kam Nase mit einem sehr knuffigen und nicht abzulehnenden "Duuuu...?" auf mich zu, und prompt stand der erste spontane Arbeitstag dieses Jahr am Samstag in meinem Kalender. Gut, dass ich so toll mitdenke und "sicherheitshalber mal" Gewandung eingepackt hatte...
Wir feierten und feierten, aufm Weg zum Auto holten wir noch einen Espresso in einer sehr kuriosen Bar/Kneipe, die Horis kannte (Hut ab, du kennst Leute?!) und fielen anschließend zufrieden ins Bett.

Samstag hieß es also gewanden und ab 15 Uhr bis Ende vom Markt (ist ja bekanntlich sehr variabel) arbeiten - und das nach fast nem halben Jahr Schenkenpause... nach ner halben Stunde und dem ersten Hounderwein ging das auch wieder völlig problemlos. Und es trudelten noch ein paar mehr bekannte Gesichter ein: Sarahlein und Reik. Das Schenkendach füllte sich und die Feierlaune baute sich in, vor und über der Schenke wie von selbst immer weiter aus. Auch der Samstag war besser besucht als gedacht und wir hatten nie Langeweile in der Schenke. Voller Erfolg. Auch das Riesenrad hatte zwischendurch tatsächlich die Musik so leise, dass es die Atmosphäre nicht störte und die jungen und durchaus talentierten Spielleut von XY (Name wird nach Kontakt zum Marktorganisator nachgereicht) gut hörbar und tanzbar waren. Abends zauberte die "Marktprinzessin" zusammen mit den Spielleuten noch eine beeindruckende und wunderbar abgestimmte Feuershow auf den Marktplatz und ließ die Menge raunen.
Und so verging der zweite Abend wie der erste mit reichlich Gesprächen, Getränken und Scherzen bis sich nachts um 3 Uhr mit uns auch die letzten Menschen vom Platz begaben.

Den Sonntag nutzte die sich nun dort angesammelte Truppe von Bekannten für entspannen, planen und "Schenkendach-Chillen", das begleitet von Handy- und Iphone-Kommunikationen indirekt und geistig sogar größer war als das Dach an sich. Von durchaus (ja zweifellos) mittelalterbewandertem Freund: "Achja, und wie issn das Mittelalter so?" "Es raucht, es stinkt und ist verkatert." Ich stellte noch bewundernd fest, dass Crepes mit Yoghurette unschlagbar lecker sind - nicht authentisch, aber phantastisch.... moment - irgendwas ist hier grad falsch?!?!... äääh... und so schlichen wir letztendlich alle irgendwann im Laufe des Tages wieder nach Hause - nur Nase, seine Schenke und der restliche Markt hielt Stellung, denn auch montags ist in Gelnhausen traditionell noch Barbarossamarkt.

Bleibt für euch als Rätsel für die Saison noch: Was hat das Mittelalter mit Wasserpumpenzangen (Anmerkung der Red.: seit Bülent Ceylan wissen wir, daß es sich hier um sogenanntes Oxforddeutsch handelt, die für Mannheimer verständliche Variante wäre : Bumbewassäzong!) zu tun?

Die Gewandung ist nun also wieder hervorgekramt (wer das noch nicht tat, sprintet jetzt sofort zum Kleiderschrank! SOFORT!), der Met fließt wieder und alle Frühlingsanfänge sind nun auch vollbracht. Folglich: Weibsbilder und Recken, jung (*Herb wink*) und alt: Die Saison ist hiermit gebührend eröffnet!

P.S.: Hat das Wort Ironie eigentlich was mit Eisen zu tun?

von Jeany Leinweber - 20. März 2011

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aktualisiert: 20.03.2011