Feuertanz Festival auf der Burg Abenberg (Roth) vom 19. - 21. Juni 2014
http://www.feuertanz-festival.de/feuertanz2014/

Niemand kann mir nehmen, was ich getanzt habe. (Sprichwort aus Spanien)

Es war abzusehen: Ein Wochenende, dass von unzähligen Freunden und Bekannten, vielen Geschenken, großartigen Konzerten, plattgetanzten Füßen und viel zu wenig Schlaf dominiert wurde. Wundervoll war es mal wieder auf der hübschen Burg Abenberg - auf das Feuertanz Festival ist eben jedes Jahr Verlass. Doch hätte wohl keiner geahnt, was uns da alles überrollen sollte ...

Dank des entspannten Terminzusammenfalls mit dem herrlichen Feiertag (das sollte übrigens öfter passieren!) startete die Expedition in diesem Jahr ganz gemütlich nach einem ausgiebigen Frühstrückspacken am Donnerstag Mittag via Automobilschnellstraße die 2 Stündchen - für mich schon fast zu Hause - in das schöne Frankenland. Nach lautstarkem "Gott will es", motiviertem "Ach ja? Komma her!" und entschlossenem "Weeeeem? UNS!" auf der unterhaltsamen Autofahrt, stolperte ich gegen 16.30 Uhr auf die Burg. Anlaufpunkt: Naseweis Taverne. Arbeits-, Spiel- und Spaßzentrum für die kommenden drei Festivaltage - wir wussten ja nicht, was auf uns zukam ...
Um 18:00 Uhr öffneten die Pforten und das Met-geile Gesinde wurde in den Burghof gelassen: Und es war wesentlich belebter als die Donnerstag Abende in den Jahren zuvor. Nicht nur dass der Feiertag die Trinklaune des Festivals begünstigte, auch das übliche, mittelalterfremde Konzert am Vorabend des Festivals blieb dieses Mal aus. Deshalb sprach es sich wohl dieses Jahr endlich auch auf dem Zeltplatz rum, dass der Markt bereits am Vorabend öffnet. Und so wurde schnell angestoßen, gemeinsam gesungen und gefeiert und es entstand eine angenehme und vielversprechende Vorabendstimmung bis in die Nacht hinein.

Nach kurzer ... hust ... sehr kurzer Nacht standen wir sicher und bereit am Freitag um 11:30 Uhr Gewehr bei Fuß, um die feierwütige Horde wieder zu empfangen - und so etwas erlebt man nun wirklich selten. Bei großartigem Festivalwetter von circa 20 Grad Celsius mit angenehmen Wolken begann ein Festival, das bei vielen Besuchern als einer der besten Feuertänze einen Ehrenplatz im Gedächtnisschränkchen erhalten wird.

Eröffnet wurde der erste Festivaltag von Harpyie mit folkloristischem Metal mit besonderen deutschen Texten: Ihr "Windhosensturm" - wie sie es gern selbst beschreiben - entzündete die ersten Flammentänze und so war der Weg geebnet, um bis in die Nacht herein eine stete Feiersteigerung mitzuerleben. Übernommen wurde die Bühne anschließend von den in Deutschland bereits sehr beliebten und herzlichen Celtic-Folk-Rockern The Dolmen aus dem Vereinigten Königreich - der Rock'n'Roll könnte wohl nicht besser in die Mittelalterszene gebracht werden. Die obligatorische Lausch- und Singpause wurde anschließend von Nam übernommen, eine wundervolle Combo um nationale und kulturelle Grenzen zu brechen sowie in einer Zeitenweltreise (ja, juhu, Gleichgesinnte!) Traditionen, Sprachen und Kulturen sowie archaische Instrumente aus aller Welt kennen zu lernen.
Und dann passierte es: Die Burgbesucher drehten durch! Metusa feierten auf der Burg Abenberg ein Fest, das ich selten so euphorisch erleben durfte. Mit Klassikern der Mitsingkultur und eingehenden neuen Melodien und Texte verwandelte sich die feiernde Masse in ein wogendes und tosendes Meer - so dass letztlich sogar die verfolgten und zu befreienden Killer-(Aufblas-)Wale einen wundervollen und fröhlichen Befreiungstanz auf den händenen Wellen vollführen durften. Selten durfte man Metusa in so großartiger Form erleben. Habt Dank für diesen wunderbaren Auftritt!
An diese Stimmung konnten letztlich nur die "Könige der Spielleute" anschließen: Corvus Corax waren mir Wadokyo angereist und konnten mit großartigen, eingängigen Rythmen die Füße weiter springen lassen. Wer die besondere Show der Könige mit den Trommelhelden gemeinsam bereits öfters gesehen hatte, bestätigte, dass dieser Auftritt noch einmal die Steigerung zur letztjährigen Selb-Performance war. Hut ab! Wo soll das nur noch hinführen?!
Und was sollte diese Spring- und Trinkkultur nun noch steigern? Richtig! Da helfen nur Finnen und Polka: und Korpiklaani enttäuschten nicht. Nach ihrer üblichen Waldschratmanier enterten sie das Bühne, schäumten das Publikum bis zu Extase auf und gaben diesem Festivaltag eine Krönung, die er ohne Zweifel verdient hatte.

Nur was nun? Heimgehen? Neee ... Hä? Wo gehen die denn jetzt alle hin? Was ist denn da oben? Der Burgsaal? Aaaaach ... Konzert im Burgsaal ... Wer? Schelmish ... aber die haben sich doch aufgelöst?!
Ja, haben sie. Als Invictus geht es zwar weiter - aber das Gute soll man nicht verdrängen und deshalb luden Schelmish zu einem Nachtkonzert in den Burgsaal, um akustisch die alten Hits und Klassiker, die vergangenen Zeiten aufleben zu lassen: Und sie freuten sich sichtbar genau so wie ihr Publikum! Ja, es gibt wundervolle Menschen, unerschöpfliche Energien und wahre Worte, die alle ihre Kraft hoffentlich nie verlieren werden ...

Der Ausklang an der Taverne war selbstredend etwas langwieriger ... und auf dem Zeltplatz eben auch. So gehört es sich für ein vernünftiges Festival ja auch ...

Nur das Aufstehen ..... Wir - das großartige Naseweis-Dreamteam - standen aber pünktlich, fast kerzengerade um 11:30 Uhr wieder im Stand. Zwar ohne den Großteil unserer Fruchtweine - versoffenes Festivalpack - aber solange der Met noch fließt, ist ja alles in Ordnung.
Um den Tag mal nicht Festival-üblich zu beginnen, hatte sich das Concertbüro Franken etwas ganz Tolles ausgedacht: Um 13:00 Uhr Mr. Hurley und die Pulveraffen auf die Bühne zu stellen. Denn nach den Besuchermassen zu urteilen, die um diese Zeit auf dem Festivalgelände anstatt in ihren Zelten waren, konnte man diesen Auftritt nicht verpassen. Und die drei Piraten gaben Gas: Innerhalb von drei Liedern war selbst das hinten und seitlich "bequem geparkte" Volk mitgerissen und so ging die Party, die nie enden wollte, direkt mit dem ersten Act weiter. Wer im Publikum stand - so wie ich ... hehe ... Arbeitsflucht -, wird diesen Auftritt sicherlich nicht vergessen.
Der Platz war voll und das war auch gut so ... denn jubelnde und rockende Masse verlangten im Anschluss Nachtgeschrei, die für eine wunderbare Show fleißig umjubelt wurden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich unter das schwarze Volk und die Mittelaltergewandungen bereits komische weiß-schwarze T-Shirts, schwarz-rot-goldene Hüte, Gesichter und Fähnchen gemischt hatten ...
Der Nachmittag ging ins Land ... die Sonne sank - und wer am frühen Nachmittag schon einmal auf der Burg Abenberg war, wusste, was den Jungs und Versengold nun blühte - ein Konzert ohne Sicht im Schweiße ihres Angesichts. Aber wieso sollte denn so etwas diese verrückten Folker aufhalten? Und in üblicher Manier brachten die Versengoldler ihr Publikum mit Gesang, Geige, Gitarre und Getrommel zum toben. Ein Phänomen. Ich bitte hiermit inständig darum: Falls mal jemand ein schlechtes Versengold-Konzert erlebt, so möge er mir das bitte mitteilen. Ich bezweifle mittlerweile, dass es das gibt.
Nachdem nun alle Trink- und Sauflieder gespielt waren, ... Hart, Härter, Feuertanz Tag 2: Tanzwut (nicht jede Band bekommt eigene Logo-Becher bei uns - liebe Grüße), Letzte Instanz, In Extremo. Der Abend war den härteren Tönen verschrieben - und erfüllte wohl alle Erwartungen, die an ihn gestellt wurden.

Ach nee ... halt. Da war ja noch was. Diese bunten Menschen da ... Genau: 21:00 Uhr Deutschland - Ghana. Festivalstop! Die Hälfte der Mittelalterverrückten pilgerte ins Volk, In Extremo war kurzfristig nach hinten verlegt worden, und: die A****-Karte hatte Das Niveau. Denn um 22:00 Uhr durften sie ihr Glück versuchen und die zweite Halbzeit kommentieren mit ein bisschen Musik dazwischen. Selten hat man so gekonnte Fußballansagen in Liedern gehört. Beste Idee seit Langem, den Programmplan kurzfristig ein paar Tage vorher noch in dieser Weise umzubauen.
Nach dem doch etwas absurden Fußballspiel (Was? 2:1 für Ghana? Wer soll dir denn das glauben?) war es dann Zeit für den Headliner: In Extremo enterten die Bühne. Und ich muss zugeben, nach langer Zeit war es mal wieder ein Konzert, das ich rundum gelungen und tanzbar fand. Absolutes Highlight: Zwei alte Bekannte, jahrelang nicht mehr gemeinsam auf einer Bühne und doch können sie noch gemeinsam beben: Das Letzte Einhorn zauberte zum Ende des Festivals den Teufel auf die Bühne und so feierte das Feuertanz gemeinsam zu Ai vis lo lop einen gebührenden Abschluss des - ich wage es - besten Feuertanz Festivals, das bisher geboten wurde. Fast: Denn Ausklang muss ja sein, an der Taverne natürlich.
Was dabei nicht geplant war: Trotz jahrelanger Erfahrung auf dem Festival hat es diese wahnsinnige Meute geschafft, fast die gesamten Vorräte zu vernichten. Aber: Nase wäre nicht Nase, wenn der Met ausgeht. ;-) So wurde die Wochenendexpedition gebührend bei Met und Schnaps begossen bis die bösen schwarzen Männer mit den finsteren Mienen kamen und auch die letzten Gäste vom Platz schoben ...

Aber: Heute ist nicht alle Tage - wir kommen wieder, keine Frage!
Auf bald und ein grandioseres, großartigeres und ebenso vollkommenes Feuertanz 2015.

von Jeany am 26.6.2014

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aktualisiert: 07.07.2014